Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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N t u n u n d - r e i ß i g st e Nacht.

Als Alles ruhig geworden war, sczte sich die Pförtnerin auf einen Stuhl und sagtezur Wirtschafterin:Stehe auf, du weißt schon, was ich von dir verlange." DasMädchen stand nun auf, ging in ein Nebenzimmer, kam nach einer Weile wieder miteinem Futteral von gelbem Atlas, das mit grünen seidenen Schnüren umwunden und mitallerlei Goldstickerei verziert war, reichte es der Pförtnerin, diese öffnete das Futteral,nahm eine Laute heraus, legte sie auf ihren Schooß, und nachdem sie das Instrumentgehörig gestimmt hatte, sang sie folgendes Lied:

O mein Geliebter, du mein einziges Verlangen, meine einzige Sehn-sucht, in deiner Nähe nur ist ewige Seligkeit, in deiner Ferne ist die bren-nende Hölle. Alle meine Gedanken und Gefühle sind dir zugewandt. Es istgewiß kein Verbrechen, dich zu lieben; der Gram hat mit dem Gewände derAbzehrung mich umhüllt, darum ist auch meine Schuld kein Geheimniß ge-blieben. Mein Herz hat dich vor Allen auserkohren, und nun fließen Thrä-nen über meine Wangen und diese vcrräthcrischen Thränen haben meinGeheimniß enthüllt. O heile doch meine gefährliche Krankheit, du bist zu-gleich Gift und Gegengift! Wie lange kann Der leiden, der von dir seineGenesung erwarten muß? Das Licht deiner Augen hat mich aufgezehrt,