Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
112
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11I 8 i r b r n i k h n l t N a ch t.

Schiffbruch von fern gesehen hatten, in Böten zur Hilfe herbei. Sie zogen uns, schonhalb entseelt, aus dem Wasser und trugen uns, als sie bemerkten, daß noch Leben in unssep, in eine Hütte, und durch ihre Bemühungen kehrte uns die Besinnung zurück."

Als der König der Insel von unserem Schiffbruche hörte, wollte er uns aus Neu-gier sehen. Er war ein Greis von neunzig Jahren, und von seinen Unterthanen sosehr geliebt, wie er es verdiente. Ich erzählte ihm ohne Hehl meine Geschichte undentdeckte ihm meinen Stand. Nachdem er mir mit der größten Aufmerksamkeit zugehörthatte, sprach er:Meine Tochter, wir müssen muthig unser Unglück ertragen, cs sinddie Prüfungen, welche der Himmel der Tugend auferlegt. Wenn wir unsere Leidengeduldig überstanden, so läßt seine Güte fast immer unseren Schmerz Freude hoffen. Bleibebei mir, und ich will für die Prinzen, deine Kinder, sorgen." Und wären sie wirklichseine eignen gewesen, so hätte er sie nicht mehr lieben können, und die Achtung undRücksicht, welche er mir angedeihen ließ, konnte nicht größer scyn. Nicht allein begnügteer sich mich mit Ehrenbezeugungen zu überhäufen, nein, er berieth sich auch über Staats-geschäfte mit mir, ich erhielt einen Sitz in seinem Staatsrathe, und war des Lobes vollvon Allem was ich sagte, wie wenig passend es auch seyn mochte. So verlebte ich fünfJahre, da sprach er auch zu mir:Fürstin, es ist an der Zeit, dir meinen Plan zuentdecken. Ich sehe dich gern nach meinem Tode an meiner Stelle auf dem Throne,aber daß er dir gewiß sey, muß ich dich zu meinem Weibe nehmen. Mein ganzes Volk,deine Tugend schätzend, wird meiner Wahl Beifall zollen und mir Dank wissen, daß ichdich zu meiner Erbin eingesezt habe.

Das Wohl meiner Söhne war mir Grund genug, in diese Verbindung einzuwilligen,die Hochzeit wurde unter dem Beifalljauchzen des Volkes gefeiert, und es war nichtminder zufrieden, als es nach dem Tode des alten Königs, der kurze Zeit nach diesemFeste folgte, erfuhr, er habe in seinem lezten Willen befohlen, ich soll fortan in dieserInsel herrschen. Seit dieser Zeit nun bin ich Königin dieses Volks und darf wohl sagen,daß ich lediglich mit seinem Glück mich beschäftige." Als die Königin diese lezten Wortegesprochen hatte, sah sie ihre beiden Söhne von der Jagd zurückkommcu.Schnell,meine Söhne," rief sie ihnen entgegen,umarmt euern Vater, dessen Tage der Himmelerhalten hat." Die Stimme des Blutes, welche sich in ihnen regte, ließ sie nicht längeran diesem Wunder zweifeln. Sie liefen zu ihrem Vater, welcher die Arme nach ihnenausstreckte und ihre Augen küßte.

Nachdem diese vier Menschen, welche voll der zärtlichsten Gefühle für einander waren,sich tausend Zeichen der Liebe gegeben hatten, versammelte der Großvesir, auf Befehl der