Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen
 

110 ö i c l> r n z e h n l k R a c!) t.

Astrologen Zusammenkommen und befahl uns, die Sterne über seine Regierung zu befragen.Wir verkündeten ihm Dinge, welche ihm mißfielen. Er zürnte uns wegen des Unglücks,womit der Himmel ihn bedrohte, und beschloß, uns tödten zu lassen. Doch, wir entdecktenseinen bösen Anschlag vermittelst der Geheimnisse unsrer Kunst, wir flohen unser Vater-land, und jeder zog sich nach dem Orte der Welt zurück, den er wählen wollte. Ichbin viele Länder der Welt durchwandert und habe endlich meine Wohnung auf dieserInsel aufgcschlagen, welche von einer so gütigen Königin beherrscht wird, daß es keinglücklicheres Volk gibt, als ihre Unterthanen."

Während der alte Astrolog so redete, weinte der Prinz von Karisme bitterlich. DieNachricht vom Tode seines Vaters verursachte ihm so große Bctrübniß, daß der Astrologseine Erzählung unterbrechen mußte, um ihn zu trösten.Herr!" sprach er zu ihm,wenn ich dir diese traurigen Nachrichten mitgethcilt habe, so habe ich dir auch angenehmemitzutheilen. Ich erinnere mich noch aller unsrer Beobachtungen. Der Himmel versprichtdir eine günstige Zukunft nach deinem dreißigsten Jahre. Du bist einunddrcißig alt undalso muß von jezt an all dein Unglück vorüber scpn. Folge mir, wenn es dir alsogefällig ist, ich will dich zum Großvcsir führen, der ein gar tugendhafter Mann ist. Erwird dich der Königin vorstellen, die dich gewiß aufnimmt, wie du es verdienst, sobaldsie deine Lage kennt."

Der Prinz und der Sterndeuter begaben sich beide zum Großvesir, kaum hatte dieserden Namen des Prinzen vernommen, als er mit allen Zeichen des höchsten Erstaunenslaut ausricf:O mein Gott, du allein vermagst solche Wunder zu thun! Komm, oHerr," sprach er dann, sich vor dem Prinzen von Karisme verneigend,laß uns zurKönigin eilen, dort wirst du den Grund meines Erstaunens erfahren!" Also redendführte er ihn in den Palast, und als sie im Gemach der Königin waren, bat er ihn,ein wenig zu verziehen, da es gut sey, wenn er die Fürstin von der Ankunft eines sohohen Gastes in Kenntniß sezte, auf daß sie ihn gebührend empfangen könne. Der Vesirblieb ziemlich lange bei der Königin, die endlich in dem Gemach erschien, wo der Prinzihrer wartete. Sie blickte ihn an und erkannte ihn alsbald wieder.O Herr," sprachsie zu ihm und breitete ihre Arme nach ihm aus,kann wohl eine Freude der gleichen,welche ich empfinde, da ich dich wiedcrsehe." Auch der Prinz betrachtete sie und erkanntein ihren Zügen seine geliebte Dilaram wieder; ganz außer sich vor Staunen, Liebe undEntzücken rief er aus:O, meine Fürstin, ist es möglich, daß ich dich wieder finde!Welche Trübsale mir der Himmel auch zugesandt hat, so gestehe ich doch, daß seineGüte seine Strenge weit übcrtrifft, weil er dich meiner Liebe wiedergibt."