Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
98
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08 S i c b c n z c h n 1 r N a ch 1.

sic sich noch kurz zuvor vorgcstellt hatten. Wirklich wurden sie bald hoch ans Gewölbehinaufgcworfcn, und dann schienen sie wieder im Abgrund versinken zu sollen. In dieserNoth sparten sie keine Gebete, und ihr Flehen wurde erhört. Die Barke kam endlichaus dem Gewölbe hervor, und der Strom trieb sie ans Ufer.

Sic stiegen sogleich ans Land, und, wieder neuen Muth schöpfend, schauten sie nachallen Seiten im Felde umher, ob sic nicht irgendwo eine menschliche Wohnung erblickten,

! wo sic Erfrischungen begehren könnten. Da erblickten sie auf einem Bergesabhang einen! hohen Dom, fast anzuschaucn wie der, welchen man Kubbap Chiramant * nennt. Sie! richteten ihre Schritte nach diesem Dom und als sie ihm nahe gekommen waren, sahen^ sie, daß er inmitten eines prachtvollen Palastes stand, an dessen Thüre mehrere hiero-^ glpphisch-kabbalistische Zeichen geschrieben waren und folgende arabische Inschrift:

O du, der du wünschest, diesen ernsten Palast zu betreten, wisse, daßdu nicht hiueinkommst, bevor du nicht vor seinem Thor ein achtfüßiges Thierzum Opfer bringst."

Ich bin in meiner Erwartung getäuscht," sprach Dilaram,ich hoffte das Ver-gnügen zu haben, das Innere dieses Palastes zu sehen."Herrin," erwiderte derl Prinz,auch in mir war eine gleiche Neugier rege: aber es ist nicht möglich, sic zubefriedigen; alle unsre Anstrengungen, die Thüre zu öffnen, würden vergeblich seyn.Diese seltsamen Zeichen dort bilden einen Talisman, der uns hindert, hinein zu gelangen."Nun denn," sagte die Prinzessin,so wollen wir uns auf diesen Nachen setzen, umeine kurze Weile auszuruhcn und nachzudenken, was nun zu beginnen sey."Herrin,"entgegnetc der Prinz von Karisme,erzähle mir zuvor die Geschichte deines Lebens,denn wahrlich, ich bin sehr begierig sie zu hören."

In wenig Worten, o Herr," sprach wiederum Dilaram,will ich sie dir berich-! ten. Der König von Georgien, mein Vater, ließ mich in seinem Palast mit all derSorgfalt erziehen, deren nur ein Vater fähig ist, welcher seine Kinder zärtlich liebt.Ein junger Fürst unsres Hauses, dem cs verstattet war, mich dann und wann zu sehen,faßte für mich Gefühle, die seine Ruhe störten. Er liebte mich, und auch ich begannseine Liebe zu erwidern, als der Großvesir eines benachbarten Herrschers am Hofe zu

' Dort, glauben die Muselmänner, liege Adam begraben.