02 s c ch z c h n r c R a eh t.
Als des Prinzen vierzig Begleiter alle gefressen waren, erwartete er selbst, denman als den leckersten Bissen bis zulezt aufgespart hatte, daß man mit ihm verfahrenwürde, wie mit seinen Leidensgenossin. In dieser furchtbaren Erwartung sprach er zusich selbst: „Ich weiß wohl, daß mein Tod unvermeidlich ist, aber weßhalb soll ich michohne Gegenwehr abschlachtcn lassen? ist es nicht besser, daß ich mein Leben so thcncr alsmöglich verkaufe? Za, ich will mich männlich verthcidigcn. Meine Verzweiflung sollwenigstens einigen dieser Scheusale, welche nach Menschcnblut dürsten, unheilvoll sepn."
So hatte er beschlossen, als er die Samsarcn cintrctcn sah. Ohne Widerstand ließer sich in die Küche des Königs führen, aber so bald er da war und auf einem Tischedas große Messer gewahrte, dessen man sich bedienen mußte, ihm den Hals abzuschnciden,so strengte er alle seine Kräfte an, zerriß die Bande, mit welchen seine Hände gefesseltwaren, ergriff das Schlachtmesscr und fiel damit die Samsarcn an, welche ihn hergebrachthatten und tödtetc sie alle mit einander. Dann stellte er sich an die Thüre der Küche,und alle, welche sich ihm zu nähern wagten, fielen unter seinen Streichen. Der ganzePalast war alsbald in Aufruhr und wicderhallte von Angstgeschrci und Flüchen.
Als der König die Ursache davon erfuhr, staunte er, daß ein einziger Mann einerso großen Menge hatte widerstehen können; er ging selber, ihn zu sehen. „Jüngling!"redete er ihn an, „ich bewundere deinen Muth und schenke dir das Leben. Kämpfenicht länger gegen meine Unterthanen, die dich zulezt doch übermannen werden. Sagemir, wer ist der Urheber deiner Tage?"
„Herr," antwortete der Prinz, „ich bin der Sohn des Königs von Karisme." —
„Die Tapferkeit," entgegnete der König der Insel, „welche du so eben bewiesenhast, beurkunden zur Genüge den Adel deiner Herkunft. Fürchte nichts mehr, mein Hofsoll fortan nur noch ein Aufenthalt der Lust für dich sepn, und ich will dich zum glück-lichsten unter den Menschen machen, denn ich erwähle dich zu meinem Schwiegersohn.Ich will, daß du alsogleich die Prinzessin, meine Tochter heirathcst; sie ist liebenswürdigund reich an Anmuth. Alle Prinzen an meinem Hofe sind sterblich in sie verliebt, aberich glaube, du bist ihrer am würdigsten."
„Herr," erwiderte der Sohn des Königs von Karisme, gar wenig erfreut vondiesem Vorschläge, „deine Hoheit erzeigt mir allzugroße Ehre. Ich glaube fast, ein sam-sarischer Fürst würde besser für deine edle Tochter Passen, als ich." — „Nein, nein,"sagte der König ungestüm, „ich verlange, daß du sie zum Weibe nimmst; es ist alsomein Wunsch, widcrsctze dich ihm nicht länger, du möchtest es sonst bereuen."
Schchersad bemerkte hier den Tag und schwieg. Am andern Morgen fuhr sie fort: