Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
Seite
85
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Vierzehnte Ra eh t. 85

hundert. Dann wurde auch das Leichenmahl gehalten. Man trug die Fleischspeisen ingoldenen Gefäßen auf, und allen, welchen man sie vorsezte, sagte man:Auch das Gefäßist dein und du darfst es mit dir nehmen." Nach dem Mahle sezte Akschid alle Sklav-innen, welche in seinem Palaste waren, in Freiheit.

So war die Feierlichkeit, welche der Sultan anstellen ließ und die man am folgendenMorgen wiederholen mußte, denn er erkrankte noch selbigen Tages. Er legte sich nieder,und als er seinen lezten Augenblick herannahen fühlte, rief er seine drei Söhne undsprach zu ihnen:O, meine Kinder! ich habe in dem Winkel meines Gemaches, wennman zur linken Hand hineintritt, ein Kästchen verborgen, welches die schönsten Gesteineder Welt einschlicßt, ich befehle euch, sie zu gleichen Theilen unter euch zu verthcilcn wennich gestorben seyn werde und ihr meinem Begräbniß alle Ehren werdet angethan haben,welche ihr mir schuldig sepd."

Der König starb, aber der jüngste seiner Söhne, ungeduldig, das Kästchen zu sehen,wovon er reden gehört hatte, ging allein in das Gemach, fand es und wurde von derSchönheit der Edelsteine dermaßen geblendet, daß er beschloß, sie zu behalten und zubehaupten, er habe sie nicht gefunden. Nach dem Leichenbegängnisse ihres Vaters gingenauch die beiden ältern Söhne Akschids, gleich ihrem Bruder, neugierig/ die seltenenEdelsteine zu sehen, in das Gemach. Sie begnügten sich nicht, den Winkel zur linkenHand zu untersuchen, sondern stöberten überall umher und waren ganz außer sich, alssie sahen, daß all ihr Suchen nur vergeblich sey. Ihr jüngster Bruder gesellte sich zuihnen.Nnn sagt an," fragte er,sind die Edelsteine wirklich so schön?"Du weißtdas besser als ich," entgegnete der Aeltestc,denn ich müßte mich sehr irren, oder duhast sie entwendet."Wahrhaftig," sprach der Jüngste wiederum,ihr erzählt mir daein schönes Märchen, ihr selbst habt sie weggenommen und wollt mich nun anklagcn."Hört mich, meine Brüder," unterbrach sie der zweite Sohn Akschids;einer von unsDreien muß sie entwendet haben, weil keinem andern als uns gestattet ist, dieses Gemachzu betreten. Wenn ihr meinem Rathe folgt, so lassen wir den Kadi holen, welcher fürden scharfsinnigsten und klügsten Mann in ganz Großkahira gilt, er wird uns ausfragen,und vielleicht den Dieb entdecken."

Seinen beiden Brüdern gefiel dieser Rath wohl; sie ließen den Kadi kommen, welcher,nachdem er gehört hatte, warum es sich handle, also sprach:Hohe Herren, ehe icherkläre, wer von euch Dreien diese Edelsteine genommen hat, bitte ich euch, ihr wolleteine Geschichte aufmerksam anhören, welche ich euch erzählen will."

Schehersad bemerkte hier den Tag und schwieg. Am andern Morgen fuhr sic fort: