Druckschrift 
1 (1838)
Entstehung
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54 v i c r z c h n l c n a ch l.

die Schamlosigkeit seiner Stiefmutter, entriß sich ungestüm ihren Armen und schlug siemit der Faust so hart ins Gesicht, daß ihre Lippen bluteten.

Da trat im Herzen der Sultanin Zorn an die Stelle zärtlicher Hingebung, ihreAugen, die noch kurz zuvor im Feuer der Liebe schimmerten, funkelten jczt vor Wuth.Elender!" rief sie,so behandelst du eine Fürstin, die dich anbctct? Grausamer! solltestdu nicht, auch wenn meine Vorschläge deine rauhe Tugend empören, auch wenn du dasWeib, das dich zu deines Vaters Platz erhöhen will, mit Haß betrachtest, mich entschul-digen, aus der eine thörichtc Liebe sprach. Wahrlich, eher dein Mitleid verdiente ich,als die Ausbrüche deiner Rohheit, die ich erdulden mußte. Wohlan, Ungeheuer, folgenur deiner Wildheit, laß deinen Haß noch doppelt auf mich uicdcrsinkcn, du wirst michdoch nicht so sehr hassen können, als ich dir jczt feindlich gesinnt bin. Fort von hier!verlaß mich und fürchte die Rache eines Weibes, deren Gunst du verachtend von dirwiesest." Die Sultanin brauchte ihrem Sohne nicht zu befehlen, daß er gehen solle, erwar schon davon geeilt, als er sie geschlagen hatte und hörte kaum noch die Hälfte ihrerVorwürfe und Drohungen.

Die Sultanin athmctc nur Rache; sic beschloß, Nourgehan zu verderben. Deß-halb zerriß sie ihre Gewänder, löste ihr Haar auf, rieb sich das ganze Gesicht mit demBlut ein, das ihrem Munde entströmte und ließ ihr Gemach von ihrem Weinen undWehklagen ertönen. Der Kaiser kam bald zu ihr, um sich zu erkundigen, ob sein Sohnendlich das hartnäckige Stillschweigen gebrochen habe. Wie erstaunte er aber, als erseine Gemalin auf dem Diwan sitzend fand, mit aufgelöstem Haar und blutigem Antlitz.Da er sie zärtlich liebte, war er außer sich vor Zorn und Schmerz.O theucrste Seelemeiner Seele," rief er aus,wie sehe ich dich, welcher Tollkühne hat cs gewagt, dich zumißhandeln. Nenne mir seinen Namen! Schon jezt sollte deine Schmach gerächt scpn."

Die listige Sultanin weinte noch heftiger bei diesen Worten ihres, Gcmals undantwortete also:O Kaiser! o unglücklicher Vater! könnte ich dir doch verbergen, wasdu zu wissen begehrst. Wenn du erstaunt bist über den Zustand, in welchem du michsiehst, wie sehr wirst du erschrecken, wenn du hörst, daß dein Sohn eS war, der michmißhandelte?"Großer Gott! mein Sohn?" unterbrach sic der Kaiser.Ach Weib,was sagst du mir? Wie! sein Haß gegen eine Stiefmutter hat ihn verleiten können,dich so zu beschimpfen; die Ehrfurcht, die er mir schuldig ist, vermochte cs nicht, ihn davoni zurückzuhaltcn?"Herr," erwiderte die Sultanin,er ist noch schuldiger, als dudenkst. Ach, welches Weib hätte seinem sanften Anschn, dem Ausdrucke von Tugend,der sich in seinen Zügen malt, mißtrauen mögen? Ich saß auf dem Diwan, als