XIV Vorhalt e.
Gleich den Malern, die ihre glänzendsten Dekorationen von einem Halb-dunkeln Platze beschauen lassen, um ihre Wirkung zu erhöhen, habe ich es ver-sucht, durch meine einfachen Worte auf die hohe Pracht des Folgenden aufmerck- >sam zu machen. Meine Vorhalle betrachte man daher als einen Ort zur!Sammlung des Gemüths, für den Unvorbereiteten, der diesen Boden zum erstenmale betritt; ich suchte ihm einen Fingerzeig zu geben, nichts weiter; die weise ^Belehrung, das Resultat einer tiefen, gewissenhaften Forschung über Entstehung !und Fortbildung dieser einzigen Sammlung von Geschichten und Sagen, wird ^ihm am Schlüsse des Ganzen, nachdem er den unterhaltendsten Spaziergang izurückgelcgt haben wird, der gelehrte Uebersctzer in einer besonder« Abhandlung ^crtheilen. '
Nun tritt mit mir hinaus, freundlicher Leser, aus dieser einleitenden Halle,wo Dich noch immer europäische Luft umfing, wo Dich noch immer schroffe, festeMauern einengten, und dem Auge nicht den freien Blick nach allen Seitenzugleich gönnten! Tritt hinaus mit mir, der ich mit dem Ganzen schon so ver-traut bin und mich doch immer von Neuem daran ergötze! Blicke nach oben:welcher milde Himmel, welch hehres Blau, dies ist das Blau des Osten; dortrauscht der Helle Strom im uralten Bett, es ist der Tigris, und die schlankenNadeln, die sich so kühn und zierlich zugleich erheben, es sind die Minaretsvon Bagdad, der heiligen Chalifenstadt! Tritt hier seitwärts mit mir in denKiosk am Wege, dessen durchbrochenes Gestein das Abendgold hereindringen läßt,um uns selbst zu verschönen; warte hier ein wenig! Hörst Du das Getön?Es ist die Karawane, die aus der Wüste hcimkehrt; sie wird hier rasten. Undmit ibr werden die Erzähler kommen, mit der Ruhe in den Zügen, und denflammenden Augen, und Du sollst Theil nehmen an ihren Geschichten. Dochvorerst sprich ein frommes Gebet mit Allen. Welcher Religion Du auch an-gcbörst, der Anruf des Schöpfers wird Dir nie Schaden bringen können. Dann