2Z4 Geschichte der Kreuzzüge. Buch II. Kap. XVI.
ihr Gelübde ihnen gebot, es nicht über sich, eine wider-fahrne Beleidigung aus Rücksicht auf ihr gemeinschaftlichesZiel ringerächt zu lassen, und oftmals riefen sie, — ohnealle Weltklugheit und um die Folgen unbekümmert — selbstdie Türken zu Hülfe, und stritten mit ihnen wider die christ-lichen Brüder. Auch selbst die bloße Rücksicht auf eigenenbesonder» Vorthcil, die Hoffnung der Erweiterung oder Be-festigung eigener Macht, ließ sie nicht selten ihr Gelübde ver-gessen und verführte sie selbst zur sträflichen Untreue gegenihre Glaubensgenossen. Von dem frommen und uneigen-nützigen Sinne des Helden Gottfried war Tankred meistensso fern als Balduin von Burg und Joscelin.
Gleichwohl dauerte die Herrschaft dieser christlichen Für-sten in solcher inncrn Zwietracht, und ihre Macht, ob wohloftmals wankend, bestand nicht nur, sondern wurde selbst er-weitert, weil die muselmännischen Fürsten nicht minder un-eins waren und gleichfalls mehrmals die Hülfe der Kreuzrit-ter, welche ihre Feinde zu seyn gelobt und beschworen hatten,wider einander anriefen. Ebn Danischmcnd, dessen Machtso drohend war, versöhnte sich mit den Frauken, weil erihrer Hülfe wider den Sultan von Zkonium bedurfte, undder Glanz seiner Herrschaft verschwand bald gänzlich, durchMuselmänner zerstört. Die türkischen Fürsten zu Haleb undin andcm Städten waren theils nicht mächtig genug, umwider die Christen etwas Großes unternehmen zu können,theils — was nützten ihnen Siege über die Kreuzritter,wenn sie keinen Vorthcil davon sich zuzueignen wußten undsich fast allein mit der gewonnenen Beute und dem erworbe-nen Ruhme hcldenmüthiger und verdienstlicher Thaten fürden Islam und den Propheten begnügten. Darum nützteihnen ein Sieg über die Christen selten mehr, als daß sie