162 Geschichte der Kreuzzüge. Buch!. Kap. VI.
I. iv-7. Wallbrüdcm durch seine Nachgiebigkeit gegen Balduin sichrworbcn, war Balduin durch seinen stolzen und starrenSinn verhaßt geworden.
Bald nach Tankrcds Abzug kamen dreyhundert zu Roß,welche Vormund zu seinem Vetter schickte, vor Tarsus.Balduin aber hatte durch Versprechungen und Drohungenerlangt, daß an dem Tage, an welchem sie anlangtcn, ihmzwei) Thürine der Mauern bereits übergeben waren, undverweigerte diesen nicht nur den Eingang in die Stadt, son-dern selbst Speise und Trank. Die niedrigen Kreuzfahrer,liebreicher als ihr Führer, reichten den von Hunger undDurst ermatteten Brüdern von der Mauer in KörbenBrot und Wein. In der Nacht aber zog der größte Theilder türkischen Besatzung heimlich ans der Stadt, überfieldie Kreuzbrüder, welchen Balduin den Eingang in dieStadt versagt, im Schlaf, ermordete sie insgesammt, ehesie die Waffen ergriffen hatten, und entfloh. Als die Wall-brüder am andern Lage die Leichname ihrer erschlagenenBrüder vor der Stadt erblickten, da entbrannte ihr Zorngegen Balduin und die Großen, welche mit ihm waren,weil ihre Hartherzigkeit die schmählige Ermordung der Brü-der verursacht ; sie ergriffen, um sie zu rachen, gegen ihreFührer die Waffen, und Balduin und die andern Großen flo-hen in die Thürme der Mauer. Mit vieler Mühe besänf-tigten sie das aufgebrachte Volk durch die Versicherung,daß sie den unglücklichen Brüdern aus keiner andern Ursacheden Eingang versagt hätten, als um das den Türken gege-bene Versprechen, vor Ankunft des großen Heeres keineWallbrüder in die Stadt zu lassen, zu erfüllen. DieseFeindseligkeit eines Wallbruders, der für den Heiland stritt,gegen seine Brüder, reizte auch Tankreds sanftes Gemüth.