Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
941
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fünfhundertste Nacht.

läßt." Darauf erwiderte der Engel:O Fraucnfcind! der du vom rechten Wegeabirrst, >sich mich nur an und ergötze dich an meinen Reizen, wie schon andere weiseMänner vor dir gethan, die besser und erfahrener als du waren; laß ab von deinemEigensinn, du wirst es sonst bereuen." Aber der Hirt versetzte:Du bist ein trügerischesWeib, ich werde fortlebeu in meiner Enthaltsamkeit und Gott zu Hülfe rufen gegen jedeGemeinschaft mit dir; wie manchen Frommen magst du schon verführt haben, den dannewiges Unheil traf. Lasse mich also, du verworfenes Weib!" Er warf dann seinenMantel um sein Gesicht, daß er sic nicht mehr sah, und betete zum Herrn.

Als der Engel die unerschütterliche Frömmigkeit des Hirten sah, zog er sich zurückund stieg wieder in den Himmel. In der Nähe des Einsiedlers war ein Flecke», inwelchem auch ein sehr frommer Mann wohnte. Dieser hörte Nachts im Traume eineStimme, welche ihm zuricf:Auf dem Berge in deiner Nähe hält sich ein gottesfürchtigerEinsiedler auf, besuche ihn und thu', was er dir sagt." Am folgenden Morgen machteer sich auf den Weg, um ihn aufzusuchen; des Mittags ließ er sich unter einem Baumeneben einer Wasserquelle nieder, um ein wenig auszuruhcn. Da kamen viele wildeThicre und Vögel, um an der Quelle zu trinken, sie entflohen aber und kehrten wiederum, als sie den frommen Mann sahen. Da dachte er: mein Aufenthalt hier verscheuchtdie Thiere und die Vögel, ich will ihnen nicht länger im Wege seyn. Er standdaher auf und machte sich Vorwürfe, diese Thiere und Vögel, die doch auch GeschöpfeGottes, wie er, seycn, von der Quelle vertrieben zu haben, und ging gebeugt fort, biser zum Hirten kam. Dieser bewillkommte und umarmte ihn und fragte, was ihnhicrhergcbracht, an einen Ort, der von keinem Menschen sonst betreten wird? Dergottesfürchtige Fremde antwortete:Eine Stimme hat mir im Traume deinen Ort

bezeichnet und mir befohlen, zu dir zu wandern und dich zu grüßen." Der Hirt freutesich mit dem Fremden, nahm ihn gut auf und lebte in seiner Gesellschaft, bis der Tod sietrennte; so belohnte ihn Gott für seine Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung."

Der König sagte zu Schehersad:Diese Erzählung läßt mich alles Unrecht bedauern,das ich in meinem Königreich ausgcübt, und den Tod so vieler Mädchen bereuen;erzähle mir nun wieder Etwas von den Vögeln." Da begann Schehersad:Ichwill dir von der Freundschaft zwischen einem Naben und einer Katze erzählen, worausman sehen kann, wie ein treues und festes Zusammenhalten gegen jede Gefahr schützt.

Ein Nabe und eine Katze, welche lange in bestem Einverständnisse lebten, unterhieltensich eines Tages auf den Zweigen eines Baumes mit einander und glaubten sich ingrößter Sicherheit; da kam auf einmal ein Tiger auf den Baum zu und fing schon an