Vierhundert und dreiundncunzigste Tlacht. ZOg
ich mich vor dir entkleiden? Antworte ihr: Wenn du dich nicht entkleidest, so bringeich dich um; nimm bei diesen Worten das Schwert, das zu deiner Rechten an einerSchnur hängen wird, und schwinge es drohend über sie, und laß dich ja nicht durchBitten oder Thränen erweichen, bis sie sich entkleidet, dann wird sie sogleich vor deinenAugen verschwinden. Wird auf diese Weise aller Zauber gelöst, so hast du nichts mehrzu befürchten, du wirst dann ein Zimmer mit einem Vorhänge finden, hebe den Vorhangauf, da sichst du den Zauberer Schamandal auf einem goldenen Throne sitzen und aufseinem Haupte glänzt etwas wie der Mond, das ist der Zirkel; auch ist er mit einemSchwerte umgürtet, hat ein Schächtelchcn am Halse hängen und einen goldenenSiegelring am Finger, nimm diese vier Dinge und bringe sie mir, hüte dich aber,etwas zu vergessen von dem, was ich dir gesagt." Er wiederholte ihm dann Allesmehrere Male, dann recitirte er einige Zauberformeln, der Fluß trocknete aus undDjaudar klopfte an den verschiedenen Thüren und überstieg alle Hindernisse, bis ihmseine Mutter begegnete und ihn beschwor, sie nicht zu zwingen, sich zu entkleiden. Alser ihr mit dem Schwerte drohte, zog sie sich zur Hälfte aus und sagte: „O meinSohn, es ist eine Sünde, mich ganz vor dir zu entblößen, sey nicht so hart, forderedies nicht von deiner Mutter, laß dich erweichen!" Djaudar sagte: „Das ist wahr,du hast Recht, du brauchst dich nicht weiter zu entkleiden." Kaum hatte er dies gesagt,schrie sie: „Er hat gefehlt." Da kamen schwarze Sklaven herbei, prügelten ihn, daß> er in seinem Leben daran zu denken hatte, warfen ihn zur Thüre hinaus und schlossensie wieder. Abd Assamd nahm ihn zu sich und das Wasser kehrte, wie zuvor, in den^ Fluß zurück.
Als Djaudar von seinem Schrecken sich erholte, fragte ihn Abd Assamd, waser gemacht? Djaudar sagte: „Ich hatte alle Hindernisse besiegt, bis meine Mutteri kam, mit der ich lange stritt, und die ich nöthigte, sich bis auf ihre Beinkleider zuentkleiden; dann bat sie mich aber so sehr, sie nicht zu beschämen, daß ich nachgab undsie nicht ganz nackt sehen wollte. Darauf schrie sie: Er hat gefehlt. Da kamen Leute,die ich nicht kenne, und schlugen mich und stießen mich zur Thüre hinaus; was nachhergeschah, weiß ich nicht." Abd Assamd sagte: „Habe ich dich nicht gewarnt, ja nichtszu unterlassen von Allem, was ich dir angegeben? Hättest du sie gezwungen, sich völligzu entkleiden, so wären wir jetzt am Ziele. Nun mußt du bis auf's nächste Jahr umdiesen Tag bei mir bleiben." Er ließ hierauf die Sklaven das Zelt zerstören und diezwei Maulesel bringen und kehrte mit Djaudar nach der Stadt Fez zurück, wo sie einganzes Jahr verweilten.
Tausend und eine Nacht. II.