Vierhundert
neunzigste
Geschichte der sechs Mädchen.
Einst saß der Fürst der Gläubigen. in seinem Schlosse, von vielen Dichtern,Gesellschaftern und Staatsräthen umgeben; da erzählte einer seiner Tischgenossen, seinName war Mohammed, folgende Geschichte:
Ein reicher Kaufmann in Bagdad hatte sechs Sklavinnen: die eine war weiß, dieandere braun, die dritte stark, die vierte mager, die fünfte gelb und die sechste schwarz;Alle aber hatten schöne Gesichtszüge und besaßen einen hohen Grad von Bildung.Eines Abends, als sie Alle beisammen waren, sagte ihnen ihr Herr: „Ihr habt dochAlle den Koran gelesen, scyd in der alten Geschichte bewandert und kennt die bestenGedichte und Sprichwörter: bewähret nun eure Belesenheit dadurch, daß eine Jede voneuch ihre Vorzüge und die Mängel der anders Aussehenden hervorhebe und Belegedafür anführe." Da erhob sich die weiße Sklavin und sagte, zur schwarzen hinblickend:„Wehe dir! ich bin das Helle Licht und der klare Mond. Meine Farbe ist die derweißen Rose, des freundlichen Tages, der schimmernden Sterne. Auch hat der ProphetGottes gesagt: Die, deren Gesicht weiß (unschuldig) ist, werden ewig in der GnadeGottes verharren; die Muselmänner sind durch weiße Turbane von den Ungläubigen