860 Vierhundert und vieruiidacht.ckilste Nacht.
Als Ali wiederkam, sagte sie ihm: „Kaufe für drei Dinare Speisen und Getränke,dann ein Stück Seidenzeug zu einem Vorhang, Goldfaden und Seide von sieben Farben."Sie legte dann das Bett zurecht, zündete Lampen an, setzte sich zu Tisch und unterhieltsich mit Ali bis tief in die Nacht.
Am folgenden Morgen nahm die Sklavin den Vorhang und stickte mit farbigerSeide und Goldfaden allerlei Vögel und wilde Thicre, und arbeitete acht Tage langdaran. Als er fertig war, schnitt sie ihn zurecht, machte ihn rein, gab ihn ihremHerrn und sagte: „Verkaufe ihn einem hiesigen Kaufmannc; hüte dich aber, ihn einemUmhcrziehenden zu verkaufen, sonst ist unsre Trennung nahe; denn du hast Feinde,
deren Augen auf uns geheftet sind." Ali verkaufte den Vorhang einem Kaufmannefür vierzig Dinare, kaufte wieder Seidenzeug, Seide, Goldfaden und Lebensmittel, undbrachte das übrige Geld zurück. So verfloß ein ganzes Jahr. Als aber am Anfängedes zweiten Jahres Ali den Vorhang, wie gewöhnlich, einem Makler znm Ausrufe»gab, kam ein Christ vorüber, der sechzig Dinare bot. Der Makler wollte ihn nichtgeben, aber der Christ bot immer mehr, bis auf hundert Dinare, und bestach noch denMakler mit zehn Dinaren. Der Makler ging zu Ali und sagte ihm: „Dieser Christwill den Vorhang kaufen: was hast du von ihm zu befürchten?" Auch alle Kaufleutedrangen in ihn, bis er mit zitterndem Herzen den Vorhang dem Christen verkaufte,sein Geld nahm und wegging. Aber der Christ folgte ihm. Da fragte ihn Ali:
„Was gehst du mir nach?" Er antwortete: „Ich habe oben an dieser Straße etwaszu thun, Gott beschütze dich!" Als Ali Schir vor sein Haus kam und den Christennoch auf seinen Fersen sah, fragte er ihn wieder: „Was folgest du mir, Tropf?"
Der Christ antwortete: „Mein Herr! ich habe Durst, gib mir zu trinken." Ali
dachte: Bei Gott, ich will den fremden Mann nicht beschämen, der einen TrunkWasser von mir fordert.
Schehersad schwieg, da der Tag nahe war; in der nächsten Nacht erzählte siealso weiter: