858 Vierhundert und vierundachtziglle Nacht.
„Lebe keinen Tag in Gesellschaft eines Halbblindcn, und sey gegen seineBosheit auf deiner Hut, denn wäre etwas Gutes an ihm, so hätte sich nicht seineignes Aug' von ihm getrennt."
Der Makler zeigte ihr dann einen andern Kaufmann und fragte sie, ob sic diesenwolle? Er war aber so klein, daß sein Bart ihm bis zu den Beinen herunter hing.Sie antwortete: „Von diesem sagt ein Dichter:
„Ich habe einen kleinen Freund mit einem Barte, der seine ganze Gestaltverhüllt; er gleicht einer langen, kalten und finstern Wintcrnacht."
Der Makler sagte: „Nun, meine Dame, sieh dich einmal um, wer vou denAnwesenden dir gefällt."
Die Sklavin warf ihren Blick auf alle Kaufleute, und als er auf Ali Schir fiel,fühlte sic tausendfaches Weh in ihrem Herzen, denn er glich einer Gazelle und warzarter als ein Zephyr; sie sagte dem Makler, auf Ali hindeutend: „Ich will nurdiesem jungen Manne mit schönem Gesichte und feinem Wüchse verkauft werden; seineLiebe ist süßer als Paradieses-Quellen, sein Blick heilt jeden Kranken; auf ihn passenfolgende Verse:
„Seine Küsse sind süßer Wein, sein Athen: ist frisches Basilienkraut;
Ridhwan ' hat ihn ans seiner Wohnung verjagt, ans Furcht, er möchte dieHuri verführen."
Als der Makler dies hörte, ging er zu ihrem Herrn und sagte: „Deine Sklavinhat mich ganz verrückt gemacht mit ihrer Schönheit, Beredsamkeit und Dichterkenntniß;sie ist mehr als tausend Dinare werth, wenn sie nur den Koran nach den sieben Leseartenabschreibt; ihre Hände sind Gold und Silber; wenn sie seidene Vorhänge stickt, die dufür zehn Dinare verkaufst, hast du auch bald ihren Werth; o welch ei» Glück, einesolche Sklavin im Hause zu haben!" Aber ihr Herr sagte: „Verkaufe sie nur wem siewill!" Der Makler ging zu Ali Schir, küßte ihm die Hände und sagte: „Mein
Herr, kaufe diese Sklavin, denn sie hat dich gewählt." Ali Schir schlug den Kopfnieder, lachte über sich selbst und dachte: Bei Gott, ich habe noch nicht einmal
gcfrühstückt! ich schäme mich vor den Kaufleuten, zu sagen: ich habe nicht so viel. DieSklavin sah ihn an und sagte zum Makler: „Stelle mich ihm vor, damit er Gefallen
an mir finde, denn ich will nur ihm verkauft werden." Der Makler führte sie zu ihmuud sagte: „Nun, mein Herr!" Ali gab aber keine Antwort. Da sagte die Sklavin:
' Der Wächter des Paradieses.