Vierhundert und dreiuudachtzigste Nacht.
Büchern ausgezeichnet ist. Niemals stand ein Vizier so hoch, wie Djafar bei Harn»Arraschid. Der Chalif nannte ihn stets Bruder und besuchte ihn oft in seinem Hanse.Djafar war neunzehn Jahre lang Vizier und befolgte die Lehre seines Vaters Jahja,der ihm einst sagte: So lange dein Kalam donnert, laß ihn Wohlihatcn regnen.Man gibt verschiedene Ursachen über seine Hinrichtung an, doch wird HarunsEifersucht als die triftigste angegeben. Der Chalif hatte nämlich eine Schwester, welchedas schönste Geschöpf ihrer Zeit war; er liebte sie leidenschaftlich und konnte sich ebenso wenig von ihr, als von Djafar trennen. Er sagte daher zu Djafar: Ich willdir meine Schwester zur Gattin geben, damit wir gemeinschaftlich uns ihres Umgangserfreuen. Da er aber bald bemerkte, daß seine Schwester Djafar leidenschaftlich liebeund gegen ihn gleichgültiger ward, verwandelte sich seine Liebe zu Djafar in Haßund er ließ ihn und alle seine Verwandten hinrichten.
Alsdann erzählte Schehersad die
Geschichte Ali Schirs.
Vor vielen Jahrhunderten lebte in Chorasan ein sehr reicher und angesehenerMann, mit Namen Muhammed Eddin. Er war schon sechzig Jahre alt, als ihmGott noch einen Sohn schenkte, den er Ali Schir nannte. Als dieser das männlicheAlter erreicht hatte, ward Muhammed Eddin gefährlich krank. Er ließ Ali Schirzu sich rufen und sagte ihm: „Mein Sohn! ich bin dem Tode nahe und möchte dirnun meinen letzten Willen kund thun." Ali Schir fragte: „Was befiehlst du, meinVater?" — „Vor Allem," erwiderte der Sterbende, „meide schlechte Gesellschaft undschenke Niemanden dein Vertrauen, denn selbst deine Freunde könnten dich verrathen.Ein frommer Dichter hat gesagt:
„Es lebt kein Mensch in unsrer Zeit, dessen Freundschaft wünschenswert;kein Vertranter bleibt uns treu, wenn das Schicksal uns bedroht. Lebe einsamund baue auf Niemande», das ist mein Rath, er genüge dir."
Ali Schir sagte: „Ich werde gehorchen, mein Vater! Was gebietest du noch?"—„Scy mildthätig, so lange du kannst, und versäume keine Gelegenheit, Wohlthatenauszuüben, denn nicht zu jeder Zeit kann man dazu kommen. Ein Dichter hat gesagt!
„Nicht zu jeder Zeit bieten sich schöne Handlungen dar, drum hasche darnach,wenn du es in Sicherheit kannst, und fürchte, das Schicksal möchte dir treuloswerden."