Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
815
Einzelbild herunterladen
 

Vierhundert und scchsundsredeiizi'gstc Nacht. 815

Weibrauch und Aloe, und in ihrer Mitte befand sich ein Mädchen wie der aufgehendeMond. Sie bewillkommte mich, hieß mich sitzen und fragte mich, was ich wollte?M sic hörte, wie ich hcrgekommcn, sagte sie:Es geschieht dir nichts, ich hoffe, duwirst mit dem Ausgange zufrieden werden." Sie fragte mich dann, waö ich für einGeschäft treibe? und ich sagte ihr, ich sey ein Klciderhändlcr aus Bagdad. Sie batmich dann, ihr einige Gedichte vorzutragen; ich sagte aber:Ich weiß wenig Gedichte,habe auch keinen schönen Vortrag, ich möchte lieber dich hören." Da recitirte sie Versevon den besten alten und neuen Dichtern; ich hörte zu und wußte nicht, was mirbesser gefiel, ihr schöner Vortrag oder die Gedichte, die aus ihrem Munde strömten.Sie sagte dann:Lege jetzt deine Befangenheit ab und recitirc auch etwas." Ichrecitirte einige alte Verse, die ihr wohl gefielen, und sie sagte:Ich hätte nicht gedacht,bei einem Kleiderhändler so viel Talent zu finden."

Sie ließ dann Speisen bringen, zerschnitt sie und legte sie mir vor. Als ich sattwar, wurden allerlei Wohlgeriiche im Saale verbreitet, die feinsten Früchte, die mannur beim Sultan findet, aufgetragen und auch Wein herumgereicht. Dann sagte sie:Jetzt unterhalte mich auch und erzähle mir etwas Schönes." Ich erzählte ihr manchealte Geschichte, die ihr so viele Freude machte, daß sie sagte:Ich wundere mich sehr,wie ein Kaufmann Erzählungen weiß, die eines Königs würdig sind." Ich sagte:Ich hatte einen Nachbar, der Gesellschafter von Königen war und von dem ich siegehört." Sie lobte meine Beredsamkeit, erzählte auch etwas, und so wechselten wirmit einander bis der größte Theil der Nacht vorüber war, und ich befand mich ineiner Lage, um die mich selbst Mamun würde beneidet haben, wenn er sie gekannthätte. Sie sagte dann:Du gehörst gewiß zu den feinsten und gebildetsten Männern;es ist nur Schade, daß du keine Verse singen kannst." Ich sagte:Bei Gott! ichwar früher sehr geübt darin, habe aber den Gesang wieder aufgegeben; doch lechztnoch mein Herz darnach und ich wünschte sehr, einige Lieder von dir zu hören, um dieNacht dabei zu durchwachen." Sie sagte:Mir ist, als stelltest du dich nur so; doch,

bu bist mein Gast und ich darf dir nichts versagen." Sie ließ sich eine Laute bringen

und ihr Spiel war eben so kunstvoll, als ihre Stimme wohlklingend und ausgebildet.Als sic ein Lied gesungen batte, fragte sie mich:Weißt du, von wem diese Verseund die Melodie dazu sind?" Ich sagte:Nein." Da versetzte sie:Das Gedicht

ist von N. N. und die Musik von Jshak aus Moßul." Ich sagte:Das ist von

Jshak? o möchte ich dein Lösegcld werden für die Kunst, mit welcher du ihn wiedergibst,und gepriesen sey Gott, der diesem Mann ein solch musikalisches Talent verliehen!"