Vierhundert und fuusundsechzigste Nacht.
abzusetzcn, und wollen den Koran nicht mehr vor dir lehren, wegen dieses Knaben,ter weder dein Sklave noch der deiner Gattin ist, und daher ein schlechtes Licht aufdich wirft." Scheins Eddin schrie ihn an: „Schweig'! Gott verdammt jeden ungerechtenVerdacht; der Junge ist mein Sohn, den ich aus Furcht vor dem bösen Auge in ein„ntcrirdisches Gewölbe gesperrt; ich wollte ihn nicht eher hcrauslaffen, bis er den Bartmit der Hand fassen konnte; aber seine Mutter bat mich, ihm einen Laden zu öffnenund ihn in meine Geschäfte einzuweihen." Als Muhammed dies hörte, holte er alleKaufleute und las den Koran vor Scheins Eddin und wünschte ihm und seinem Sohnenoch viele glückliche Jahre. Dann sagten ihm die Kaufleute: „O Herr! selbst arme Leute,die einen Sohn bekommen oder eine Tochter, laden ihre Bekannten und Verwandtenzu einer süßen Speise ein; hole nun das Versäumte »ach, da doch das Dasepn deinesSohnes kein Gcheimniß mehr ist." — „Nun," erwiderte Scheins Eddin: „ich ladeeuch Alle auf morgen zu einem Mittagessen in meinem Garten ein."
Am folgenden Morgen schickte er Teppiche und allerlei Speisen in den Garten,ließ in zwei Gemächern des Gartenhauses Tische decken und sagte seinem Sohne: „Wennolle Leute kommen, so empfange ich sie und führe sie in's innere Gemach, und die jungenLeute führst du an den andern Tisch im äußern Zimmer." Da fragte Ali: „Wozudiese Abthcilung? du hast doch sonst keinen besondern Tisch für junge Leute und ältereMänner?" — „Heute," antwortete Scheins Eddin, „soll Jeder ungezwungen seyn, undich weiß wohl, daß es Glattbartigcn in Gegenwart von Männern nicht ganz wohl ist."Die Kaufleute stellten sich nach und nach ein, man aß und trank, belustigte sich, schlürfteSorbette, ließ Räucherwcrk aufstcigen, und die ältern Männer führten ein wissenschaftlichesGespräch. Unter diesen war ein Kaufmann, mit Namen Mahmud, aus Balch, derin seinem Innern ein Feueranbeter war und nur zum Scheine sich für einen Muselmannausgab. Sobald er Ali zu Gesicht bekam, gefiel er ihm so gut, daß er ScheinsEddin um seinetwegen beneidete und auf allerlei Mittel trachtete, ihn in seine Gewaltzu bekommen. Während Ali sich einen Augenblick entfernte, ging er daher zu dessenjungen Freunden und sagte ihnen: „Wenn ihr Ali dahin stimmt, daß er mit mirreist, so gebe ich Jedem von euch ein Kleid von großem Werthe." Als Ali zurückkam,sagte einer der Jungen zu seinen Gefährten: „Wie so bist du zu deinem Vermögengekommen?" Er antwortete: „Als ich das Mannesalter erreicht hatte, bat ich meine»Vater, mir ein Geschäft zu übergeben; da sagte er mir: ich habe nichts, doch entlehneGeld von einem meiner befreundeten Kaufleute und handle damit! Ich ging zu einemKaufmann und entlehnte tausend Dinare bei ihm, kaufte Maaren dafür, brachte sie