Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
728
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Vierhundert und ncuilundfiinfziflste Vacht.

«O Mensch, wie lange glaubst du, daß dein Herr dir noch zusicht, wenndu immer tiefer in's Meer deiner Leidenschaften untertanchst? Jeder Tag bringtdir Gottes Güte, jeden Tag sollte dein Dank zu ihm hinaufsteigcn, statt dessenbeschäftigst du dich aber mit eitlen Dingen. O schäme dich doch vor dem, derAlles sicht, und erfülle des Teufels Wünsche nicht! Mir ist, als frage man schonnach dir und es heißt: Er ist gestorben voller Reue über seine Vernachlässigungder göttlichen Gebote. Darum höre auf meine Ermahnung, setze deine Zuversichtauf den unvergänglichen Herrn und nicht auf Gegenstände dieser Welt, dieeinem Spinngewebe gleicht!"

Musa fiel vor großer Rührung in Ohnmacht; als er wieder zu sich kam, schrieber auch die vierte Tafel ab und näherte sich der fünften, auf der geschrieben war:

O Mcnschensohn! was leitet dich ab von dem Gehorsam gegen Gott, derdich geschaffen, dich als Kind gepflegt und erzogen? Wie kannst du seine Huldvergessen, während er immer gnädig auf dich herabsicht und seine schützendeHand über dich ausbreitct? Du entgehst doch einer Stunde nicht, welche bittererist als Geduld ' und heißer als brennende Kohlen; bereite dich zu dieser Stundevor, denn wer kann ihre Bitterkeit mildern und ihre Glut löschen? Gedenkeder Völker und Jahrhunderte, die vor dir waren, und belehre dich daran, chedu untcrgehst!"

Am Rande der Tafel waren noch folgende Verse eingegraben:

Wo sind die alten Könige der Erde? Dahin sind sic mit ihrem ganzenErwerb. Einst ritten sic an der Spitze von Armeen, welche die ganze Erdeausfülltcn, bekämpften mächtige Herrscher, besiegten und zernichteten unzählbareHccrschaarcn; aber unerwartet kam der Befehl des Herrn des Himmels, undnach dem glanzvollsten Leben war Verwesung ihr Ende."

Nachdem Musa auch diese Inschrift abgcschrieben hatte, näherte er sich der sechstenTafel, worauf zu lesen war:

O Mcnschensohn! Glaube nicht, daß dein Heil ewig dauert; der Todschwebt immerfort über deinem Haupt. Wo sind deine Väter? Wo deine Brüderund Freunde? Alle sind in's Grab gestiegen und vor den erhabenen Herrngetreten und empfangen nun den Lohn ihrer Thaten. Sorge daher für deineSeele, che du in's Grab sinkst!"

Die Inschrift schloß mit folgenden Versen:

Wo sind die Könige der Franken? Wo sind die, welche in Tangerthronten? Nur ihre Werke bleiben ewig in einem Buche ausgezeichnet, das derEinzige als unauslöschliche Beweise aufbcwahrt."

' Das arabische Wort Sabr, welchesGeduld" bedeutet, ist auch zugleich der Name eines bittern Holzes.