Vierhundert und stebenundfiinszigste Nacht.
Musa weinte und war so gerührt, daß ihm fast der Athem ausging. Er nähertesich dann der Kuppel und sah acht hölzerne Pforten mit goldenen Nägeln beschlagen.Mer der Hauptpforte waren folgende Verse geschrieben:
»Nicht aus Freigebigkeit hinterließ ich Andern meine Güter, sondern derTod, der unter den Menschen umhcrzicht, zwang mich dazu. Lang' freute ichmich mit meinem Gute und beschuhte es wie ein reißender Löwe. Ich war stetsvoller Sorgen, gab aus Geiz kein Scnfkörnchen von dem Meinigcn her undhätte man mich in's Feuer geworfen. Da kam bald der über mich verhängteTod, und es lag nicht in meiner Macht, ihn abzuwenden. Nichts halfen mirmeine gesammelten Truppen, kein Freund und kein Nachbar konnte mich retten.
Mein ganzes Leben war eine Täuschung; denn kaum hatten sich meine Beutelmit Dinaren gefüllt, so gehörten sie schon einem Andern und ich wurde in dieGruft getragen. Da kömmt der Tag des Gerichts, und ich trete vor Gottallein und nur mit Sünden schwer beladen. Drum, o Wanderer, laß dichnicht vom Glanze der Welt verblenden und bedenke, wie sie es den Leutenmacht, die sich ihr hingeben!"
Musa ward so angegriffen, daß er in Ohnmacht fiel; als er wieder zu sich kam,ging er in die Kuppel und sah ein großes Grabmal mit einem eisernen chinesischenGrabstein, auf dem Folgendes zu lesen war:
»Im Namen des Gottes, des Einzigen, Mächtigen, Ewigdauerndcn, derallein bleibt, während alle seine Diener vergehen müssen. O Wanderer, derdu hierher kömmst, belehre dich an dem, was du hier von den Schicksalen derWelt erfährst, laß dich nicht vom Glanze der Welt verführen, sie ist trügerischgleich dem Traum eines Schlafenden, oder einem täuschenden Sandspiegcl, demder Wanderer sich vergebens nähert, um seinen Durst zu löschen. Auch ichschte mein Vertrauen auf diese Welt und ward von ihr vcrrathen. Ich warHerr von tausend uneinnehmbaren Schlössern, hatte tausend Königstöchtergehcirathet, so schön wie der Mond, und sic gebaren mir tausend Söhne, starkund muthig wie Löwen; ich war von zehntausend wohlbewaffneten Reiternumgeben, undurchdringlich waren ihre Panzer, schneidend ihre Schwerter,leichtfüßig ihre Pferde; so lebte ich tausend Jahre und sammelte Schätze, wiekein König der Erde noch besaß; ich glaubte, das würde unaufhörlich fortdauern;aber der Zerstörer aller Freuden, der Verwüster aller Wohnungen, der wederden Armen verschont noch vor den Befehlen des Königs sich fürchtet, ereilte auchmich in meinem Schlosse, und als ich die Vergänglichkeit sah, ließ ich dieseVerse als Belehrung für Verständige aufschreiben. Ich bin Kusch, der SohnKamans, Sohn Schaddads, Sohn des mächtigen Ad."