Vierhundert und cimindfüiifzigjle Nacht. siHZ
Bah law an blieb also unangefochten im Besitze seiner geraubten Herrschaft, undMalik Schah schmachtete Jahre lang im Gefängnisse, so daß er ganz entstellt ward.Als ihn aber Gott (gepriesen scp er!) aus dem Gefängnisse befreien wollte, sagtencinige gute Viziere zu Bahlawan in Anwesenheit aller Großen des Reichs: „O König!Gott hat dir deinen Willen erfüllt, du regierst in Ruhe an deines Vaters Stelle,bedenke nun, was hat dein Neffe Verbrochen, daß er, seitdem er die Welt erblickt hat, allerFreude beraubt bleibt? durch welche Schuld hat er so viele Qual verdient? Anderewaren schuldig, und die hat Gott in deine Gewalt gegeben, aber dieses arme Kind istunschuldig." Bahlawan erwiderte: „Ihr habt Recht, aber ich fürchte, er möchte
Etwas gegen mich unternehmen, denn ich weiß, daß viele Leute ihm gewogen sind." DieViziere versetzten: „O König! was kann der schwache Junge thun? welche Macht hat er?Nebrigens, wenn du ihn hier fürchtest, so schicke ihn an irgend eine Grenze des Landes."— „Euer Rath ist gut," versetzte der König, „ich will ihn als Anführer der Truppenan die Grenze schicken." Der König hatte nämlich gerade einen Krieg mit sehr hartnäckigenFeinden zu führen und hoffte, daß sein Neffe im Krieg umkommcn werde. Er ließihn also zur Freude Aller aus dem Gefängnisse bringen, schenkte ihm ein Ehrenkleidund schickte ihn mit vielen Truppen gegen den Feind, mit dem sich bisher Niemandhatte messen können. Als Malik Schah mit seinen Trappen an der Grenze war,wurden sie auf einmal in der Nacht überfallen; die Einen entflohen, die Andern wurdengefangen; unter diesen war auch Malik Schah, der mit einigen Gefährten in eineGrube geworfen ward, in welcher er ein ganzes Jahr zubringen mußte. Am Anfängedes folgenden Jahres wurde er nach der dortigen Sitte mit den übrigen Gefangenenaus dem Kerker geholt und von einer Citadelle herabgestürzt. Alle seine Gefährtenblieben todt liegen, bis sie wilde Thicre fraßen und der Wind zerstreute. Malik Schahaber, dessen Leben der Himmel bewachte, fiel auf die Füße und kam nach einer Ohnmachtvon vierundzwanzig Stunden wieder zu sich. Als er sich gerettet sah, dankte er Gottund machte sich auf, ohne zu wissen wohin, und nährte sich von Baumblättern; des Tagsverbarg er sich und des Nachts ging er wieder fort, bis er endlich in eine bewohnte Gegendkam und Menschen fand, denen er seine Geschichte erzählte. Als die Leute hörten, daß ervon einer Citadelle berabgeworfen und doch von Gott gerettet worden, bemitleideten sie ihnund gaben ihm zu essen und zu trinken. Er fragte sie nach dem Wege, der in die Stadt seinesOnkels führte, ohne ihnen jedoch zu sagen, daß Bahlawan sein Onkel sey. Man zeigteihm den Weg und er ging unerkannt bis in die Nähe der Stadt, wo er hungrig, nacktund blaß anlangte. Als er sich vor dem Stadtthore niedersetzte, kamen Einige von