0F2 Vierhundert ,,»d achtundliierzigüe Nacht.
Einst schloß er sich einer Räuberbande an, die in der Nacht eine bewaffnete Karavancüberfiel. Es wurde lange gekämpft, aber die Karavane siegte endlich und erschlug vieleRäuber, und auch der Prinz fiel verwundet zu Boden. Als er des Morgens dieAugen öffnete und alle seine Kameraden todt fand, wollte er sich aufmachen undentfliehen. Da begegnete ihm ein Mann und fragte ihn: wohin er wolle? Als ihmder Prinz erzählte, was ihm widerfahren, sagte der Mann: „Sey nur zufrieden, deinGlücksstern ist aufgegangcn, Gott bringt dir Hülfe durch mich; ich habe einen reichenSchatz, komm mit und hilf mir, ich will dir so viel Geld geben, daß du dein ganzesLeben genug daran haben sollst." Er nahm ihn dann mit in sein Haus und Pflegteseine Wunde, bis er ganz hergestellt war.
Sobald der Prinz genesen war, ließ der Mann zwei Kamecle mit allerlei Proviantbeladen und machte sich mit dem Prinzen auf den Weg, bis sie an einen hohen Bergkamen. Da zog der Mann ein Buch hervor und las darin; grub dann ungefähr fünfSchuh tief in den Berg, bis er auf einen großen Stein stieß; diesen hob er weg, undcs zeigte sich die Oeffnung einer Höhle. Er wartete ein wenig, bis der Dunstherausgcstl'egen war, dann band er dem Prinzen einen Strick um die Hüften und ließihn hinunter mit einer brennenden Kerze in der Hand. Als der Prinz in der Höhlewar, ließ der Mann einen Korb mit einem Stricke hinunter, der Prinz füllte ihn mitGold, und der Alte zog ihn hinauf, leerte ihn, reichte ihn dann dein Prinzen wieder,bis die Lastthicre beladen waren. Als aber daun der Prinz wieder,cincn Strickerwartete, um daran hcraufgezogen zu werden, lachte ihn der Manu aus, legteeinen großen Stein vor die Oeffnung der Höhle und ging fort. Der Prinz wußtenicht, was er anfangen sollte, und dachte: Was ist das für ein bittrer Tod; ich bin derersten Grube und den Dieben entronnen, nun muß ich hier den Hungertod erwarten.
Während er so verzweifelt dastand, hörte er das Rauschen eines Wassers; er gingdem Geräusche nach, und je näher er dem einen Eck der Höhle kam, um so stärkerwurde das Rauschen des Wassers; da dachte er: hier fließt ein mächtiger Strom,sterben muß ich doch hier, ob morgen oder heute, ich will mich lieber in dies Wasserstürzen, als in der Höhle vor Hunger umkonnnen. Er warf sich hierauf in's Wasserund cs trug ihn unter der Erde fort in ein tiefes Thal, wo es als ein großerStrom auS der Erde entspringt, und der Prinz befand sich wieder auf der Oberflächeder Erde.
Der Prinz schwamm an's Ufer, dankte Gott für seine Rettung und ging in diesemThale vor sich hin, bis er in ein Städtchen kam, das unter seines Vaters Botmäßigkeit