sj/8 Vierhundert und stcbcnundliierzigste Nacht.
jener Welt verdammen. Er ließ ihnen dann vor seinen Augen den Kopf abschlagen, ging zuseiner Gattin und klagte sich selbst des Unrechts an, das er gegen sie und AbuTamam begangen. Die Königin und der ganze Hof trauerte um Abu Tamam, dender König aus dem Brunnen holen und dem er im Palaste ein Grabmal errichten ließ.
„Du sichst, o glückseliger König," sagte der Jüngling, „was Neid und Bosheitvermag, und wie Gott die List der Viziere zu ihrem eigenen Unheil enden ließ; ichhoffe, daß Gott mir auch über die, welche mein Ansehen beim König beneiden, denSieg verschaffen und dem König die Wahrheit offenbaren wird. Ich fürchte gar nichtfür mein Leben, sondern nur für die Reue des Königs, wenn er sich von meinerUnschuld zu spät überzeugt haben wird." Diese Worte machten einen liefen Eindruckauf den König; er beugte den Kopf eine Weile zur Erde und ließ den Jünglingwieder in's Gefängniß zurückführcn.
Am neunten Tage sagten die Veziere zu einander: „Der Jüngling macht uns vielzu schaffen, so oft der König ihn umbringeu lassen will, bezwingt er ihn mit einerErzählung; was fangen wir an, um ihn endlich einmal aus dem Wege zu räumen?"Endlich kamen sic überein, sie wollten sich an die Königin wenden. Sie gingen zu ihrund sagten: „Du weißt nicht, in welcher Lage du bist, dein Einschlicßen nützt dir nichts;der König ißt und trinkt, und geht, wie immer, seinem Vergnügen nach und vergißtganz, daß die Leute deine Liebe zu diesem Jünglinge zu», Gegenstände ihres Spottesmache». So lange der beim Leben bleibt, wird das Gerede nicht aufhörcn, sondernimmer zunehmen." Die Königin erwiderte: „Bei Gott, ihr habt Recht; aber was sollich thun?" — „Geh zum König," versetzten die Viziere, „weine vor ihm und sage:Die Frauen kommen zu mir und erzählen mir, wie man in der ganzen Stadt von mirspricht; was hast du davon, diesen Jüngling leben zu lassen? Willst du ihn nicht tödten,so tödte mich, damit einmal daS Gerede aufhöre!" Die Königin machte sich auf, zerrißihre Kleider und ging zum König; als die Viziere zugegen waren, warf sie sich vor ihmhin und sagte: „O König, fürchtest du die Schande nicht? Es ziemt Königen gar nicht,so wenig eifersüchtig gegen ihre Frauen zu sepn. Du -kümmerst dich um nichts, und dieganze Stadt, Männer und Frauen, machen sich über uns lustig. Entweder tödte de»Jüngling, daß das Gerede aufhörc, oder tödte mich!" Der König gerietst in heftigenZorn und sagte: „Ich sehe, daß eL keine Ruhe gibt, wenn ich ihn leben lasse; ich willihn heute umbringen, geh nur in dein Gemach und sey zufrieden." Er ließ dann denJüngling rufen, und als er erschien, riefen ihm die Viziere zu: „Wehe dir, dein Todist nahe, die Erde schut sich darnach, deinen Leib zu verzehren." Der Jüngling aber