Vierhundert und cinundvicrzigste Nacht. ßHZ
nicht stolz auf mich herabsehe und sich noch andern Frauen zuwende; verhcirathe mich janicht mit einem, der Höher steht, als ich, und mich wie eine Sklavin behandeln könnte."Der Vizicr kehrte zum König zurück und brachte ihm die Antwort seiner Tochter.Aber diese Antwort vermehrte nur noch die Leidenschaft des Königs und er sagte demVizicr: „Gibst du mir sie nicht gutwillig, so nehme ich sie mit Gewalt." Der Vizierging wieder zu seiner Tochter und hinterbrachte ihr des Königs Worte. Da aberArwa in ihrer Weigerung verharrte, und der König immer heftiger ward und demVizicr mit Gewalt drohte, eilte dieser schnell »ach Hause und entfloh mit seinerTochter. Als der König dies hörte, schickte er Truppen aus, um ihn aufzufangen, undstellte sich selbst an ihre Spitze. Er holte bald den Vizier ein, tödtete ihn mit einemHammer, nahm die Tochter mit Gewalt in sei» Schloß und heirathete sie. Arwaertrug ihr Unglück mit Geduld und Ergebung in Gottes Willen, und hörte nicht auf zubeten und zu fasten. Nach einiger Zeit, als der König eine Reise unternehmen mußte,ließ er den Vizicr Kardan kommen und sagte ihm: „Ich vertraue dir meine Gattin,die Tochter des Viziers Surchan, an; gib wohl Acht auf sie und bewache sie mitdeinen eigenen Augen, denn ich habe auf der Welt nichts Theurcres als sie." Kardanfühlte sich durch dieses Vertrauen sehr geehrt und erklärte sich bereit, des Königs Befehlezu vollziehen.
Als der König abgcreist war, dachte der Vizier: Ich muß doch einmal die Frausehen, die der König so sehr liebt. Er verbarg sich an einem Orte, wo er sie
unbemerkt sehen konnte, und fand sie so unaussprechlich reizend, daß er vor Liebe ganzaußer sich kam. Seiner selbst nicht mehr Herr, schrieb er ihr: „O habe doch Mitleidmit mir, deine Liebe tödtet mich." Sie antwortete ihm aber: „Ich bin ein anvertrautesGut bei dir, mißbrauche das Vertrauen des Königs nicht, setze dein Inneres nicht mitdeinem Aeußeren in Widerspruch, begnüge dich mit deiner gesetzmäßigen Frau undbesiege deine sündhafte Leidenschaft, sonst mache ich dich vor allen Menschen zuSchanden." Als dem Vizier an der Tugend der Königin kein Zweifel mehr blieb,bereute er seine Kühnheit und fürchtete sich vor dem König. Er beschloß daher, Arwadurch List zu verderben, um nicht selbst beim König angeklagt zu werden. Sobalddieser von der Reise zurückkehrte und den Vizier nach den Angelegenheiten seinesReichs fragte, antwortete dieser: „Es steht Alles gut; nur etwas Schlimmes habe ichentdeckt, das ich gern dem König zu verschweigen wünschte, doch fürchte ich, ein Andrermöchte mir zuvorkommen und ich dem König dann als ein treuloser Rathgeber undVertrauter erscheinen." Der König sagte: „Sprich nur, du bist mein treuer, aufrichtiger