Vierhundert und vierzigste Vucht. 049
ihrem Vater um sie anzuhalten. Der König sagte ihm: „Mein Sohn! dn kannst dasMädchen, das du liebst, erlangen, habe nur Geduld, ihr Vater wird sie dir gern zurGattin geben." Der König ging sogleich zu dem Vater der Schönen und hielt bei ihmum die Hand seiner Tochter an. Dieser forderte hunderttausend Dinare als Morgengabe.Als aber der König das Geld, das er in seinem Schatze hatte, zusammenzählte, dafehlte noch einiges an den hunderttausend Dinaren; er sagte daher zu seinem Sohne:„Habe Geduld, bis ich das fehlende Geld zusammcnbringe, dann schicke ich cs deinemSchwiegervater und laste deine Geliebte holen." Aber der Prinz gerieth in heftigenZorn und sagte: „Ich warte nicht länger!" nahm Schwert und Lanze, bestieg seinPferd und ward Straßenräuber. Eines Tages fiel er aber eine sich tapfer vertheidigendeKaravanc an, ward überwunden, gefangen und gefesselt vor den König jenes Landesgeführt. Als der König den schönen Jüngling sah, sagte er ihm: „Du siehst keinemRäuber gleich; gestehe mir die Wahrheit, Junge! wer bist du?" Der Prinz schämtesich aber, die Wahrheit zu gestehen und wollte lieber sterben. Da sagte der König zu jseinen Näthen: „Wir wollen uns mit diesem Jungen nicht übereilen, denn Uebereilungbringt Neue; cs genüge uns, ihn einstweilen in Verhaft zu nehmen." Inzwischen wardBahsad in seinem Lande vermißt, und sein Vater schickte Boten nach allen Seiten,um ihn aufzusuchen. Als auch bei dem König, der ihn gefangen hielt, nach ihmgefragt wurde, rief er: „Gelobt sep Gott, daß ich mich nicht übereilt habe." Er ließsogleich Bahsad rufen und sagte ihm: „Warum wolltest du diA selbst in den Abgrundstürzen?" Er antwortete: „Aus Furcht vor der Schande." — „Fürchtest du dich sosehr vor Schande," versetzte der König, „so hättest du dich nicht so übereilen sollen; hastdu nicht gewußt, daß Uebereilung Neue bringt? auch ich würde es jetzt bereuen, wennich mich übereilt hätte." Er schenkte ihm dann so viel Geld, als er zur Morgengabebrauchte, schickte sogleich zu des Prinzen Vater, um ihn vom Wohle seines Sohnes zuunterrichten, und redete Bahsad zu, selbst wieder zu seinem Vater zurückzukehren. AberBahsad sagte: „O König! vollende deine Wohlthat und schicke mich gleich zu meinerBraut, denn das wird lange dauern, bis ich nach Hause komme und mein Vater ihreinen Boten schickt und dieser wieder zurückkchrt."
Der König wunderte sich über des Prinzen Ungeduld und sagte ihm lächelnd: „Ichfurchte sehr, deine Uebereilung möchte dich straucheln machen und dem Ziele deinerWünsche entrücken." Indessen gab er ihm doch ein Empfehlungsschreiben an den Vaterdes Mädchens. Als der Prinz zum König kam und das Schreiben überreichte, machteihm der König mit den Großen seines Reichs einen Gegenbesuch und erwies ihm viel
Tausend und eine Nacht. Il
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