Vierhundert und nenuunddreihigste Nacht 8^5
fleht seinen Schutz an und er läßt ihn ausplündern; doch mußten sie schweigen. Nacheiniger Zeit hörte der König, es halten sich Räuber im Lande auf; er ließ ihnennachsetzcn, und als man sie ihm gefangen brachte, sah er, daß es die Räuber waren,welche ihn auögeplündcrt und seine Kinder weggcführt hatten. Er fragte sie: „Wo sinddie zwei Knaben, die ihr einst in der Wüste geraubt habt?" Sic antworteten: „Wirhaben sie bei uns und wollen sic unserm Herrn, dem Könige, als selbe Sklavenvorstellen; auch wollen wir alles Geld hergcben, das wir gesammelt haben, das
Räuberhandwcrk anfgebcn und bei deinen Truppen als Soldaten dienen." Der Königgab ihnen aber kein Gehör, sondern nahm ihnen ihr Geld und die zwei Knaben wegund ließ sie dann hinrichten. Da sagten die Truppen des Königs einer zum andern:„Der ist noch grausamer als sein Bruder. Die Diebe bringen ihm zwei Knaben undwollen Buße thun, und er läßt sie umbringcn und ausplündern; das ist hart." Nacheiniger Zeit kam ein Reiter vor den König mit der Frau desselben und klagte seineFrau des Ungehorsams gegen ihn an; der König erkannte seine Frau, nahm sie demReiter weg und ließ ihn umbringen. Als der König hierauf hörte, daß ihn seineTruppen für einen Tyrannen hielten, sagte er in Gegenwart seiner Viziere undStaatSräthc und Häupter der Armee: „Bei dem erhabenen Gott! ich bin nicht des
Königs Bruder, sondern der König ließ mich eines einzigen Wortes willen in seines
Bruders Gefängnis) sperren; ich bin Abu Sa der und Gott hat mir durch meineGeduld den Thron geschenkt. Der König, der bei mir Schutz suchte und denich ausplündern ließ, hat mir früher all mein Gut weggenommcu und "mich
uugcrcchterweise aus dem Lande verbannt: ich habe ihm also Gleiches mit Gleichemvergolten. Die Diebe, welche von Buße sprachen, konnte ich nicht anhören, sie habenmich auf dem Wege bis auf meine Kleider ausgezogen und mir auch meinebeiden Knaben weggenommcu, die ihr für Sklaven hieltet: auch ihnen habe ichgerechte Strafe widerfahren lassen. Den Reiter ließ ich endlich.umbringcn, weil die
Frau, gegen die er klagte, meine Gattin ist, die er mit Gewalt entführt und die mirnur der erhabene Gott zurückgcgcben. So habe ich immer Gerechtigkeit ausgcübt,während ihr, nach dem Scheine urtheilend, mich für einen Tyrannen hieltet."
Diese Worte des Königs setzte» seine Zuhörer in Erstaunen, sie fielen vor ihmnieder, liebten ihn noch mehr als zuvor, entschuldigten sich bei ihm und bewundertendie göttliche Fügung, die Abu Sab er zum Lohne seiner Geduld aus der Grube aufden Thron erhoben und den früheren König vom Throne in den Abgrund gestürzt.Abu Sabcr ging dann zu seiner Gattin und sagte ihr: „Nun, wie hast du die