Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
641
Einzelbild herunterladen
 

. Vierhundert >,»d uchtuuddreißigstc Vuchl.

bewohnte, Jemand ermordet wurde, ließ der Sultan das ganze Städtchen plündern,und Abu Sab er verlor dadurch auch den größten Thcil seines Vermögens. Da sagte ihmseine Gattin:Die ganze Umgebung des Sultans kennt dich als einen braven Mann,schreibe dem Sultan, er wird dir gewiß dein Gut zurückgeben lassen." Er aberantwortete:O meine Frau: habe ich dir nicht gesagt, wer Unrecht begebt, wird schonbestraft werden? Nun hat der Sultan eine Gcwaltthat ausgeübt und unschuldigenLeuten ihr Gut geraubt: du wirst sehen, wie er bald das Scinige verliert." Dieshörte einer seiner Nachbar», welcher ihn schon längst beneidete. Er gab dem Sultandavon Kunde, und dieser ließ dem Gutsbesitzer Alles, waö ihm noch übrig gebliebenwar, wegnehmcn und ihn mit seiner Gattin aus dem Städtchen treiben. Als dac-nnglückliche Ehepaar hierauf in eine Wüste fliehen mußte, sagte die Frau zu ihremManne:Das Alles kommt von deiner Schwäche und Saumseligkeit." Er aberversetzte:Habe nur Geduld, sie führt sicher zu einem guten Ende." Kaum waren sieeinige Schritte weiter gegangen, da kamen Räuber und zogen ihnen ihre Kleider aus,nahmen, was sie auf dem Leibe hatte», und raubten ihnen auch ihre Kinder. DieFrau sagte weinend:Laß einmal deinen Gleichmuts) und komme, wir wollen denRäubern nachlaufcn, vielleicht werden sie uns bemitleiden und uns unsere Kinderzurückgeben." Abu Sab er antwortete:Habe nur Geduld! wer etwas Böses thut,dem wird auch wieder Böses vergolten; wen» ich ihnen folgte, könnte leicht einer vonihnen sein Schwert ziehen und mich tödten: drum Geduld, diese führt zu einem gutenEnde."

Sie gingen dann fort, bis sie in die Nähe eines Städtchens im Lande Kirmankamen, da ließen sie sich am Ufer eines Flusses nieder und Abu Sa der sagte zuseiner Frau:Bleibe du hier, ich will einstweilen in's Städtchen gehen, um eineWohnung zu miethen." Als er fern war, kam ein Reiter, um sein Pferd im Flussezu tränken; diesem gefiel Abu Sabers Gattin so sehr, daß er ihr sagte:Komm!reite mit mir weg! ich will dich heirathen und glücklich machen." Sic antwortete:Gott erhalte dich! ich habe einen Gatten." Da zog er sein Schwert und sagte:Wenn du mir nicht folgst, so bringe ich dich um." Als sie dies sah, schrieb sie mitdem Finger in den Sand:O Abu Sab er! du hattest immer Geduld, bis du deinVermögen, deine Kinder und deine Gattin verloren, die dir noch theurer als Alleswar, nun wirst du immer in Trauer leben und sehen, wohin dich deine Geduld geführthat." Der Reiter setzte sie dann hinter sich auf's Pferd und ritt mit ihr davon. AlsAbu Sab er zurückkam, war sie schon weit weg, und als er las, was sie geschrieben

Tausend und eine Nacht. II

81