HZO Vierhundert und suiifuuddreißigste Vucht.
einen der Perlenfischer in dasselbe Gefängniß sperren ließ. Der Kaufmann erkannteihn und erzählte ihm, wie unglücklich er durch seine Perlen geworden. Als daher derPerlenfischer das Gefängniß verließ, erzählte er die Geschichte des Kaufmanns demSultan, und dieser, von der Unschuld des Kaufmanns überzeugt, bemitleidete ihn, ließihn in Freiheit setzen, wies ihm eine Wohnung neben dem Palaste an und bestimmteihm ein ansehnliches Jahrgeld. Der Kaufmann vergaß bald alle seine Leiden unddachte: Nun ist das Glück wiedergekehrt, ich werde unter dem Schutze dieses Königsmeine übrige Lebenszeit in Ruhe zubringen. Aber eines Tages trieb ihn seineNeugierde an ein Fenster, das mit Erde und Steinen zugemauert war. Er riß csein, um zu sehen, was dahinter ist, und siehe da, das Fenster ging in's Harem desSultans. Als er dies sah, fuhr er erschrocken zurück und holte frische Erde, um cswieder zu schließen; aber ein Eunuche sah ihn und benachrichtigte schnell den Sultandavon. Der Sultan kam, und als er das Fenster aufgebrochcn fand, ward er sehraufgebracht gegen den Kaufmann und sagte ihm: „Ist das der Lohn für meineWohlthatcn? was hast du nach meinem Harem zu sehen?" Der Sultan ließ ihmhierauf die Augen auöstechen, und der Kaufmann, seine beiden Augen in die Handnehmend, rief verzweifelt: „Wie lange noch, v verdammtes Schicksal, verfolgst du mich!Zuerst hattest du cs nur mit meinem Gclde zu thun und jetzt gehst du mir gar an denLeib. Ich sehe wohl, daß all mein Bemühen vergebens ist, wenn Gott mir nichtbcisteht."
„Auch mir, großer König," sagte der Junge, „geht es, wie diesem Manne; solange das Glück mir günstig war, gelang mir Alles, nun hat es mich verlassen, undAlles geht verkehrt." Als der Junge so sprach, legte sich der Zorn des Königs einwenig, er ließ ihn in's Gefängniß zurückführen und sagte zu den Vizieren: „Der Tagist bald zu Ende, wir wollen mit der Hinrichtung bis morgen warten."
Am folgenden Tage trat der zweite Vizier, welcher Bahrun hieß, hervor undverdammte ebenfalls das Verfahren des Angeklagten. Der König ließ den Jungenkommen und sagte: „Wehe dir! ich werde dir den schlimmsten Tod geben lassen, denndein Verbrechen ist abscheulich; meine Leute sollen eine Warnung durch dich erhalten."Der Junge sagte: „O König! übereile dich nicht; denn ein reifliches Bedenken ist diesicherste Stütze einer guten Regierung. Wer nicht die Folgen einer Handlung überlegt,dem geht es, wie einem gewissen Kaufmanne; wer aber Alles voraussieht, der wirdglücklich, wie der Sohn jenes Kaufmanns." Da der König die Geschichte dieser beidenKauflcute hören wollte, begann der Junge: