Vierhundert und einunddreißigste Nacht.
Die Sklavin «Harun Arraschids.
«Hnruii Arraschid ging einst am Gemache einer seiner Sklavinnen vorüber, mitder er schon lange entzweit war. Sie war vom Weine erhitzt und hatte einen grünenMantel an, der ihr unwiderstehliche Reize verlieh. Raschid vergaß seinen Groll, tratzu ihr und wollte sie umarmen. Sic aber sagte: „O Fürst der Gläubigen, du hast michschon so lange verstoßen, daß ich mich nicht mehr auf deinen Besuch vorbereitete. Wartealso bis morgen, da will ich mich gehörig schmücken und zu dir kommen." Am folgendenMorgen gab der Chalif Befehl, daß man Niemanden zu ihm lasse, und erwartete dieSklavin. Da sie aber nicht kam, ging er zu ihr und fragte sie, warum sie ihrVersprechen nicht gehalten? Sie antwortete: „O Fürst der Gläubigen, der Tag löscht
die Worte der Nacht wieder aus." Der Chalif verließ sie und ließ die Dichter, welcheim Vorsaalc harrten, Hereinrufen; sie hießen: Nakaschi, Musib und Abu Na was.Raschid erzählte ihnen sein Abenteuer und befahl ihnen, Verse zu dichten mit demSchlußvcrse: Der Tag löscht die Worte der Nacht aus. Da sagte Nakaschi:
»Wie wolltest d» sic vergessen, wenn dein Herz ihr stets cntgegcnschlägt?
Warst du nicht in der wonnevollsten Erwartung? Du besuchtest Niemanden undwolltest nicht besucht werden; aber als du zu ihr kamst, sagte sic: der Tag löschtdie Worte der Nacht aus."
Musib sprach dann folgende Verse:
«Bei Gott, liebte ein Zweiter »och wie du, so wäre tu Bagdad kein Hausmehr weit genug. Seht, wie eure Augen triefen und wie bei ihrer Erwähnungcincbrcnnendc Flamme euch durchglüht. Ihr sagtet: nun, wo bleibt euer Versprechen,meine Herrin? sie aber antwortete: der Tag löscht die Worte der Nacht aus."