580 Vierhundert und zweiundzwauzigfte Nacht.
und ich sehne mich in der Thctt nach ihnen. Du hast gehört, wie Hassan sagte, siehabe vollkommene Aehnlichkeit mit mir, und Gott weiß, daß eine Frau, wie er siebeschrieben, keine Andere als meine jüngere Schwester Manar Alnisa seyn kann."Die Alte küßte die Erde vor ihr, gab Hassan Nachricht von dem Befehle der Königin,und dieser, ganz außer sich vor Freude, küßte der Alten die Stirne; sie aber sagte:„Küsse mich nicht auf die Stirne, sondern auf den Mund, als Zeichen des Heils."
Die Alte bewaffnete sich dann, nahm tausend auserlesene Streiter mit, stieg in'sSchiff und fuhr in drei Tagen nach der Insel, wo der König mit Manar Alnisaresibirte. Sie ließ ihre Truppen vor der Stadt lagern und ging allein zur PrinzessinManar Alnisa, grüßte sie und sagte ihr: „Die Königin ist böse, daß du sie soselten besuchst." Manar Alnisa ließ sogleich die Zelte zur Reise hervorholen undlegte allerlei Geschenke für ihre Schwester zurecht. Auch der König, welcher von derTerrasse aus die Zelte vor der Stadt sah, und hörte, daß Nur Alhuda ihre SchwesterManar Alnisa zu sich eingeladen habe, ließ allerlei Kostbarkeiten aus seinerSchatzkammer holen, um sie ihr zu schicken, auch ließ er viele Truppen zu ihrer Begleitungansrücken, denn er hatte eine besondere Vorliebe zu Manar Alnisa (Frauenlicht),welche die einzige Tochter ihrer Mutter war. Die andern sechs Töchter waren voneiner andern Mutter. Die Aeltestc hieß Licht der Leitung (Nur Alhuda), die ZweiteMorgenstern, die Dritte Morgensonne, die Vierte Perlenbaum, die FünfteHerzenserquickung und die Sechste Mädchcnkrone. Als die Alte die Vorbereitungen zurReise sah, erschien sic wieder vor Manar Alnisa und küßte die Erde vor ihr, undauf ihre Frage, ob sie noch ein Anliegen habe, antwortete die Alte: „Deine Schwesterbittet dich, deinen Kindern die Panzer anzuzichen, die sie dir geschickt hat, und sie mirmitzugeben, daß ich ihr dadurch die freudige Botschaft von deiner Ankunft bringe."Als sie dies hörte, schlug sic den Kopf nieder, erblaßte und sagte: „O meine Amme!mein Herz bebt vor Angst." — „Fürchtest du für sie bei deiner Schwester?" fragteSchawahi; „bewahre Gott vor einem solchen Gedanken! Gott erhalte deinen Verstand!Doch ich zürne dir nicht; die Liebe ist immer argwöhnisch; aber, gelobt scy Gott! dukennst meine Zärtlichkeit gegen Kinder, ich habe dich ja auch einst erzogen und alle deineSchwestern. Ich werde auf deine Kinder Acht geben und sie mit meinen Augen bedienen;ich werde ihnen meine Wangen als Teppich unterlegen und sie in meinem Herzenaufbcwahrcn, du brauchst mir sie nicht zu empfehlen; setz nur guten Muths und schickesie deiner Schwester, ich werde höchstens ein oder zwei Tage vor dir ankommen." DieAlte schwatzte noch lange so fort, bis Manar Alnisa aus Furcht, ihre Schwester zu