Vierhundert und strbrnzehnte Nacht.
der fern von seiner Hcimath, von seiner Fron und seinen Kindern ist und um ihretwillenkeine Gefahr scheut, Gott wird sich auch deiner erbarmen und dir Schutz geben!" Alsdie Jungfrau diese im Tone der größten Verzweiflung ausgesprochenen Worte hörte,sagte sic ihm gerührt: „Sep frohen Herzens, bleibe nur »och verborgen bis morgenNacht; so Gott will, wird cs dir gut gehen." Hassan verbarg sich wieder, und dieJungfrauen durchwachten vor den Hütten bei brennenden Kerzen, auf welche Ambra,Aloe und Moschus gestreut wurde, die ganze Nacht in allerlei Spielen und Lustbarkeiten.Am folgenden Morgen kamen die Nachen wieder an's Land, und es wurde den Tagüber viel gekauft und verkauft. Sobald dann die "Nacht hereinbrach, kam das Mädchen,das Hassan uni Schutz angcfleht hatte, wieder in die Hütte, überreichte ihm einenPanzer, einen Helm, ei» Schwert und eine Lanze und ging schnell wieder fort, ausFurcht, verrathen zu werde». Hassan dachte wohl, sie habe diese Gegenstände für ihngebracht; er setzte daher den Helm auf, zog das Panzerhemd an, umgürtete das Schwert,nahm die Lanze in die Hand und blieb vor der Hütte betend stehen. Während erso dastand, kamen auf einmal die Jungfcrnschaaren mit Fackeln und Laternen an ihmvorüber; da folgte er ihnen nach einem Platze, wo viele Zelte aufgcschlagen waren,und trat mit einer alten Jungfrau in ein Zelt. Als diese ihre Rüstung und denSchleier abnabm', legie Hassa n auch seine Waffen nieder und betrachtete die Alte,welche das häßlichste Geschöpf auf der Welt war. Sic hatte triefende Augen, einegroße Nase und kahle Augenbraue», so daß Hassan nicht wußte, ob er sie für einSchwei», oder für eine schwarzgcfleckte Schlange, oder eine schäbige Wölfin halten sollte.Größer als das Entsetzen Hassans beim Anblicke dieser scheußlichen Gestalt warindessen das der Allen, welche Schawahi hieß, im Augenblicke, wo sie einen fremdenMann statt einer Jungfrau in ihrem Zelte bemerkte. „Wer bist du und wie wagtestdu es, zu mir herein zu kommen?" fragte sie Hassan mit drohender Stimme.Hassan fiel vor ihr nieder, legte sein Gesicht auf ihre Füße, weinte und jammerte undflehte sie um Gnade und Hülfe an.
Schawahi bemitleidete Hassan und versprach ihm ihren Schutz; dann sagte sieihm: „Nie ist einem Menschen so etwas wie dir widerfahren, und stände dir nicht dererhabene Gott bei, so wärest du nicht mehr; doch nun beruhige dich, mein Sohn, undsep frohen Muthes, du hast nichts mehr zu fürchten und wirst, so Gott will, deinZiel erreichen, was es auch sep."
Hierauf schickte die Alte sogleich nach der Gencrallieutenantin der Armee undbefahl ihr, unter den Truppen bekannt zu machen, daß sie am folgenden Tage ausrücken