5H6 Vierhundert und sechzehnte Nacht.
sie in einen großen Saal mit Marmor belegt, in dessen Milte ein Garten war, mitallerlei Bäumen, Blumen und Früchten bepflanzt, die Vögel sangen auf den Bäumen
und priesen die Macht des Schöpfers. In jeder Ecke des Saales war ein
Springbrunnen angebracht mit goldenen Löwen, aus deren Munde Wasser hervorquoll.Auf jeder Seite des Saales stand ein Divan, auf dem ein Scheich saß mit vielenBüchern und goldenen Rauchpfannen und Weihrauch vor sich, und um jeden dieserMänner bildete sich ein Kreis von andern Männern, die in den Büchern lasen.
Hassan und sein Führer wurden ehrerbietig empfangen, und dieser gab den Scheichsein Zeichen, daß sie ihre Umgebung entlassen möchten. Als dies geschehen war, setztensie sich zu ihm und fragten ihn, wen er bei ihnen einführe. Der Alte sagte hierauf zuHassan: „Erzähle du ihnen selbst deine Geschichte von Anfang bis zu Ende."
Hassan erzählte weinend Alles, was ihm widerfahren. Als er zu Ende war, sagtendie Männer: „Ist der es also, den der Magier Bahrain in einer Kameclbaut vonAdlern auf den Wolkenberg bringen ließ?" — „Ich bin derselbe," wiederholte Hassan.Sie wendeten sich dann an seinen Führer mit den Worten: „O Oberster aller Scheichs!wie ist er vom Berge heruntergekommen, auf den ihn Bahrain gebracht, und washat er auf demselben gesehen?" Der Alte sagte wieder zu Hassan: „Gib diesenScheichs Auskunft über Alles, was du weißt." Als dies geschehen war, sagten dieScheichs, von Hassans Erzählung tief gerührt, zu ihrem Meister: „Bei Gott, dieserjunge Mann ist zu bedauern, kannst du ihm nicht beistehen, daß er wieder zu seinerGattin und seinen Kindern gelange?" Der Meister antwortete: „Das ist eine schwereSache, ich habe ihm gcrathe», davon abzulassen, er hat aber meinen Rath nichtangenommen. Ihr wißt ja, wie schwer es ist, nach den Inseln Wak Wak zu gelangen,ihr kennt ja die Macht des Beherrschers dieser Inseln; auch habe ich ihm geschworen,daß ich nie sein Land betreten, »och irgend etwas gegen ihn unternehmen wollte; wiekan» ich ihn daher zur Prinzessin bringen?" Da sagten die Scheichs: „O Meister!dieser Mann ist unglücklich und will sich gern in jede Gefahr begeben, du mußt ihmhelfen, da er dir einen Brief von deinem Freunde gebracht hat." Hassan küßte demMeister die Füße, legte den Saum seines Kleides auf sei» Haupt und rief schluchzend:„O Meister! vereinige mich mit meiner Gattin und meinen Kindern, oder laß michsterben!" Die Scheichs, welche an Hassans Schicksal den innigsten Antheil nahmen,sagten zu ihrem Meister: „O Herr! verscherze den himmlischen Lohn nicht, den du dirdurch die Rettung dieses Fremdlings zuzichen kannst; überdies ist er dir ja auch vondeinem Freunde empfohlen." — „Nun so wollen wir ihm beistehen und, so Gott will,