Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
495
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Dreihundert und achtundneunzigstc Ducht.

Bleibe fern! sichst du nicht die Flecken der Verwesung, den kranken Körper,von Innen und Außen verzehrt, der eine Beute der kummervollsten Gedanken ist?"

Seine Freundin erstaunte über diese beredten Worte, und sagte zu ihm:O meinBruder! wann ist dir ein solches Unglück widerfahren, daß du solche Verse im Mundeführst und so viele Thränen vergießest? Bei dem Brod, das wir zusammen genießen,erkläre mir deinen Zustand und verhehle mir -nichts! sage mir, was dir in meinerAbwesenheit widerfahren, denn dein Zustand betrübt mich sehr." Hassan seufzte undvergoß Thränen wie ein Platzregen; er sprach:Ich fürchte, o Schwester! du wirst mirnicht bcistchen in meinem Verlangen, und ich werde aus Verzweiflung sterben müssen."Sic aber schwur:Bei Gott! mein Bruder, ich verlasse dich nicht und kostete cs auchmein Leben!" Hassan erzählte ihr, daß er die Thüre geöffnet habe und was er gesehen,von Anfang bis zu Ende, wie ihn nun die Liebe zu dem Mädchen so unglücklich mache,daß er schon zehn Tage weder an Essen noch Trinken Freude habe; er setzte seine Klagenso lange fort, bis seine Freundin ihn bemitleidete und mit ihm weinte. Sie sprach zuibm:Sey frohen Herzens und heitern Auges! ich will jede Gefahr mit dir theilen undauf Mittel denken, wie du zu ihrem Besitze gelangest, müßte ich auch mein eigenes Lebendabei opfern! Verberge jedoch dein Geheimniß vor meinen Schwestern, sonst sind wirBeide verloren. Wenn sic dich fragen, ob du jene Tbüre geöffnet hast, so antworte:Nein, sondern ich bin niedergeschlagen von meiner langen Einsamkeit in diesem Schlosse,cs wird mir in eurer Abwesenheit gar zu unheimlich." Hassan sagte:Dein Rathist gut, ich will ihn befolgen." Er heiterte sich wieder auf, öffnete jedoch aus Furchtvor den Mädchen die Thüre nicht mehr, seine Lebensgeister aber kehrten wieder zu ihmzurück. Als seine Freundin dies bemerkte, brachte sie ihm zu essen und zu trinken, gingzu ihren Schwestern und sagte ihnen mit Thränen in den Augen, ihr Freund sep krank^ und habe schon zehn Tage nichts gegessen. Als sie fragten, was er für eine Krankheit

- habe, antwortete sie:Sie entstand aus Verlangen nach uns, denn die Tage unsrer

!

! Abwesenheit schienen ihm länger als tausend Jahre. Der Unglückliche ist hier fremd und

! mußte ganz allein bleiben, ohne Gesellschaft und Erheiterung; er ist noch so jung, ihn

l schmerzt die Trennung von seiner Mutter, die eine alte Frau ist und um ihn weint, und

die er nur in unsrer Gesellschaft vergessen hatte." Als die Schwestern dies hörten, weintensie aus Mitleid mit ihm; sie entließen die Truppen, gingen zu Hassan und grüßtenihn; ihr Kummer war groß, als sie sahen wie seine Reize abgenommen hatten, und wiemager sein Körper geworden war. Sie weinten, trösteten ihn und erzählten ihm allesWunderbare, was sie auf der Reise gesehen, und was den Verlobten widerfahren sep.