Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
491
Einzelbild herunterladen
 

Dreihundert »nd sechsundneunzigste U»>ht.

Ein zart gebautes Mädchen, von deren Wangen die Sonne ihren Glanzentlehnt, erschien in einem grünen Hemde, wie ein grünes Blatt mit Kirschen."

L!)t

Als sich die Mädchen angekleidet hatten, setzten sie sich, unterhielten sich mit einander !und lachten; die Oberste aber neckte immer die Andern, fiel bald über Diese und bald!über Jene her, und Keine wagte es, die Hand gegen sic auszustrecken. Hassan stand auf ^glühenden Kohlen, ganz von Sinnen und vor Liebe außer sich, und sprach zu sich:!iO hätte ich doch diese Thüre nicht geöffnet, und diese Reize nicht gesehen! Wie willst ^du, Hassan, zu ihrem Besitze gelangen? wie willst du dir einen Vogel, der in der Lust ^fliegt, zueignen? Bei Gott! Hassan, du hast dich in ein bodenloses Meer geworfen ,! und in eine Sache eingelassen, der du nicht gewachsen bist; du mußt nun aus Verzweiflungsterben, und Niemand wird deinen Tod erfahren!" Er betrachtete dann noch einmaldas schöne Mädchen, daS alle Menschen an Schönheit ubertraf. Und wie anders? ihr >Mund war wie Salomons Siegelring, ihre Haare wie die finstere Nacht, ihre Augen

>

j bezaubernd wie die der Gazellen, ihre Nase wie die eines Adlers. Sie hatte Wangenwie Anemonen, Lippen wie Rubinen, Zähne wie Perlen in Korallen gereiht, eine Zungevoll Süßigkeiten wie ein königlicher Tisch, eine» herrlichen Busen, kurz alle ihre Reizewaren vollkommen, wie der Dichter sagt:

Li» schönes Mädchen! ihr Speichel ist wie Honig, ihr Angc schärfer alsein indisches Schwert; ihre Bewegnngcn beschämen die Zweige des Ban, undwenn sie lächelt, so gleicht sie der Anthcmis. Du sagst, ihre Wangen scpenwie Doppelrosen, doch sic empört sich darüber und spricht:Wer wagt es, michmit einer Rose z» vergleichen? wer schämt sich nicht, zu behaupten, mein Bnse»sep so reizend wie die Frucht eines Baumes? Bei meiner Schönheit nnd Anmutb!bei meinen Angcn und schwarzen Haaren! wer wieder solche Vergleiche macht,den verbanne ich aus meiner Nähe und tödtc ihn durch die Trennung; dennfindet er in den Zweigen des Ban meine» Wuchs, und in den Rose» meineWangen, was hat er bei mir zu suchen?"

Da bemerkte Schehersad den Anbruch des Tages und schloß ihre Erzählung.

In der nächsten Nackt fuhr sie folgendermaßen fort: