Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
420
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jzljj Dreihundert und uchtundjirbeiizigste 1>l»cht.

deßhalb zu dir gekommen, wo bleibt die Ehre, die du uns schuldig bist? Bedenke, wer zu dirgekommen ist! gibt es eine höhere Person, als wir bei der Prinzessin sind?" Sie antwortete:Gott, der Allwissende, bewahre mich vor dem schlimmen Satan! Ich weiß, bei Gott!daß ich nicht so viel Ehre verdiene, und daß, wenn die Prinzessin mich nicht wiederauf eine Hobe Stufe stellen wollte, sie euch nicht geschickt hätte. Aber immerhin werdeich in-einem schlechten Ansehen bei ihre» Dienern und Sklavinnen stehen, währendfrüher der Erste unter ihnen vor Angst starb, wenn ich ihn nur auschrie." Eine derSklavinnen erwiderte:Höre meinen Rath! wisse, das Sprichwort sagt: Küsse dieHand, die du nicht beißen kannst! Bedenke daher, daß die Prinzessin noch jung undrasch ist; wenn sie aufgebracht wird, so wird sie dir andre Boten schicken, dich »ütGewalt holen und umbringen lassen: wer kann es ihr verbieten; wenn wir znrückkominenund ihr sagen, du wollest nicht kommen, so würde es dir gewiß nicht gut gehen.Komm also mit uns und sträube dich nicht länger!"

Als die Alte diese Worte hörte und sie wahr fand, sagte sie:Bei Gott! wäretibr nicht gekommen und ständet ihr nicht in so hohem Ansehen, ich wäre nie zu ihrzurückgekchrt, und hätte sie mich auch umbringen lassen!" Sie dankten ihr, die Alteaber machte sich sogleich ans und ging mit ihnen. Als sie zur Prinzessin kam, blieb siein einiger Entfernung stehen, sah sie an und sprach:Bei Gott! meine Gebieterin, ichverdiene nicht so viel Ehre, die Schuld ist auf meiner Seite und die Großmuth aufder deinigen." Die Prinzessin aber sprach:Bei Gott, o Amme! dein Ansehen istgroß bei uns, ich bin dir meine Erziehung schuldig; doch du weißt, Gott hat drei Dingegeschaffen, die er unter die Menschen verthcilt hat: den Charakter, die Lcbensnothdurftund den Tod; der Mensch kann nichts daran verbessern. So konnte ich mich auch nichtbeherrschen und meinen Zorn zurückhalteu; aber bei Gott, o Amme! ich bereue, wasich gethan." Die Amme stand nun auf und küßte die Erde vor ihr, die Prinzessin aberließ ein schönes Kleid bringen, überreichte es der Amme, und alle Diener und Sklavinnenfreuten sich.

Als dieses Gespräch zu Ende war, sagte die Prinzessin:Wie stehl's mit den

Früchten? ich glaube, die in unser», Garten sind reif." Da sagte die Alte:O Herrin!es ist nun die Zeit, in der wir jedes Jahr in den Garten gehen; ich will mich heuteerkundigen und Euch Antwort bringen." Sie nahm dann wieder einen noch ehrenvoller»Platz ein als früher. Sie ging sogleich zum Prinzen, der ihr freudig entgegen kamund sie umarmte. Seine Augen strahlten vor Freude, denn er hatte sie mit Sehnsuchterwartet. Als sie sich niedergelassen, edzählte sie ihm, was zwischen ihr und der Prinzessin

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