Zßg Dreihundert und ziveiundsechzigste Nacht.
mehr, wo ich auf Gottes Erde war, so schön war ihre Gestalt. Als ich dann wiederherunter stieg, erkundigte ich mich nach ihr bei meinem Mädchen, und fragte eS: „Wasist das für ein junges Mädchen, das so schön ist, daß mir der Kopf schwindelt?"Sie lächelte und sagte: „Hättest du wohl auch Lust, deinen Arm um ihren Hals zuschlingen und sie zu küssen?" Ich antwortete: „Ja, bei Gott! und kostete es mein Leben."Da sagte sie: „Das ist die Tochter Zahers und unsre Herrin, wir alle sind ihreSklavinnen; weißt du was cs kostet, sie zu küssen und von ihr bedient zu werden?Fünfhundert Dinar, und das thut doch dem Herzen eines Kaufmanns wehe." Ich aberdachte: Bei Gott! ich will gerne mein ganzes Vermögen für sie hingebc». Ich konntekaum den Morgen erwarten, stieg in's Bad, zog ein kostbares, mit Gold und Juwelenverziertes Kleid an und ging zum Alten. Er hieß mich willkommen und fragte mich,was ich wolle? Ich sagte: „Ich möchte das Mädchen zu meiner Dienerin haben?" Ersprach: „Glück dazu! willst du die Summe erwägen?" Ich sagte ja, und brachte sogleichfünfzehntausend Dinar für einen ganzen Monat. Er befahl dann einem Diener: „Geh,bringe ihn deiner Herrin Zahra!" Dieser brachte mich in eine Wohnung, dergleichen
sich in der Welt nicht wieder findet; als ich hinein kam und das Mädchen dasitzen sah,
fiel ich vor Gott nieder und dankte ihm für ein so bezauberndes Geschöpf; sie war so >blühend und schön, wie der Dichter sagt: j
„Wenn sic mit der Sonne wetteifern wollte, so würden alle Leute sic stattihres Idols anbctcn; wenn sie in das bittere Meer spiee, es würde von ihremSpeichel süß werden, und wenn sic im Westen einem frommen Pilger sich zeigte,er würde den Osten lassen, und ihr nach Westen folgen."
Kurz, o Fürst der Gläubigen! fuhr der junge Mann fort, sic war über alleBeschreibung schön. Als ich sie grüßte, stand sie vor mir auf und hieß mich vielmalwillkommen. Ich sah sie gehen, unnennbarer Liebreiz war in ihrem ganzen Wese»,ihr Gang so anmuthsvoll; gepriesen sey der, der sie geschaffen! Ich setzte mich neben
sie, und sie befahl den Sklavinnen, eine Mahlzeit zu bringen. Da kamen vier junge
Mädchen mit einem Tische voll Speisen, wie man sie nur bei Königen siebt, und stelltenihn vor uns auf. Ich griff nach den Speisen und verlor vor Entzücken meine ganzeBesinnung. Als wir genug gegessen hatten, wuschen wir unsere Hände. Man brachtehierauf Wein, eine ihrer Sklavinnen reichte ihr eine Laute, die sie auf ihren Schooßlegte und stimmte. Die Laute gab einen so rührenden Ton von sich, wie ein kleinesKind, das nach seiner Mutter schreit, wie der Dichter sagt: