Dreihundert und fünfuiidfüllfzrgfte Nacht.
ließ sic in sein Schloß bringen, ging zu ihr, freute sich mit ihr, und fragte sie nachihrem Namen, nach dem ihres Vaters und ihrer Heimath, so wie nach der Ursacheihrer Neise. Sie sagte ihm: »Wisse, o König! Ich bin die Tochter Ibrahims, desVeziers des Königs Schamech." Sie erzählte ihm ihre ganze Geschichte vom Anfangbis zu Ende, und verheimlichte gar nichts vor ihm; sie bat ihn dann um seinen Schutzund Beistand durch folgende Verse:
»Vor Kummer und Zerrüttung ergießen sich die Thronen über meineWangen, des Freundes willen, dessen Liebe ich mich keinen einzigen Tagfreuen kann. Seine Schönheit entzückt jedes Auge, und in Beredsamkeit übertriffter Araber und Perser. Sonne und Mond verewigen seinen Glanz und erweisensich ehrerbietig gegen ihn. Sein Auge ist von wunderbarem Zauber bemalt undder Bogen seiner Augcnbraunen ist zum Wurf gespannt. O du, vor dessenRang und Macht ich beschämt stehe, erbarme dich eines Liebenden, den dieLiebe tödtet! O meine Hoffnung! verbirg die Scham der Liebenden und werdeUrsache ihrer Vereinigung! Die Liebe hat mich schwachen Fremdling an eureUfer geworfen, von euch hoffe ich meine Rettung."
Als der König ihre Verse börte, hatte er Mitleid mit ihr und sagte: »Fürchtenichts, du hast schon deinen Zweck erreicht!" Der König recitirte dann folgendeVerse:
»Edles, vornehmes und wohlgcbildctcS Mädchen, empfange die gute Botschaft,du hast deinen höchsten Wunsch erreicht! Noch heute sammle ich Geld und schickees Schamech durch vornehme Ritter; ich will ihm vom schönsten Moschus undSeidenstoffe schicken, und allerlei glänzendes Silber und Gold. Ich werde ihmin einem Briefe sagen, ich wolle ihn zu meinem Schwiegersöhne machen. Ichwill gern Alles thun, um euch von euerm Liebcsbrande zu heilen. Ich habewahrlich auch den Liebcskelch gekostet, und entschuldige Jeden, der ihn getrunken."
Als der König diese Verse geendet, dankte ihm Ward für die Theilnahme, die ereiner Unglücklichen schenke, und sprach folgende Verse:
„Heil dir, großer König! denn das Unglück hat an deinem Herzen einenPlatz gefunden, du trocknest die Thräncn der Leidenden und milderst den Kummerder Betrübten; der Lohn wird dir dafür nicht ausbleiben."