Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
327
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Dreihundertnd neunundvierzigste Dacht. Z27

ohne zu wissen, wohin, und die ganze Nacht durch. Als es Tag ward und ihn die Sonnebrannte, bis er großen Durst hatte, sah er einen Bach, den Gott geschaffen gelobtsey er, der nur zu einem Dinge sagt: Werde! und es wird. Er setzte sich und wolltetrinken, da erblickte er im Wasser sein Bild, es war blaß und seine Füße waren vomGehen angeschwollen; er weinte und sprach folgende Verse:

Je heftiger der Schmerz und die Pein, um so heißer wird die Liebe beidem gequälten Liebenden. Wie soll nach der Trennung noch das Leben schmecken?und doch vermehrt die Trennung noch die Licbesflammc. Als meine Liebezunahm und meine Thränen über die Wangen flössen, da irrte ich bewußtlosumher, nichts konnte meine Schmerzen mildern, nichts mich heilen."

Er weinte, bis alle seine Kleider von den Thränen naß wurden, dann stand er auf,strengte sich wieder an zum Weitergehen Gott leitete ihn in seiner Allmacht und ließihn Wüsten, Berge und Felsen durchwandern. Während er so dahinging, kam einungeheurer Löwe auf ihn zu: ein Ungeheuer mit einem abscheulich großen Kopfe, einemRachen wie die Oeffnung einer Höhle, und Vorderzähnen wie die eines großenElephanten. Als der Prinz ihn sah, starb er fast vor Schrecken; er setzte sich ihm

gegenüber und erinnerte sich, in alten Büchern gelesen zu haben, daß, wenn Jemandenein Löwe begegne, man ihn durch Worte zu besänftigen suchen solle; er sing nun an inReimen zu ihm zu sagen:

O Löwe des Waldes und der Auen! o Tapferster aller Helden! o Vaterder Wackern! Sultan der Thicre! bei Gott, ich bin verliebt und vom Feuerder Trennung verzehrt, fern von meinen Freunden und beraubt von allemGuten."

Schehersad schloß mit diesen Worten und fuhr die folgende Nacht fort: