300
Dreihundert und cinundvierzigste Nacht.
setzten sich wieder zusammen, aßen, bis sie satt waren; Ghanem ließ Wein bringen,wovon sie tranken, bis ihre Wangen sich roth särbten und die erregte Glut den Schlasaus ihren Augen entfernte. Ghanem brannte vor Begierde, das Mädchen zu küssen,und sprach zu ihr: „Erlaube mir doch, dich zu küssen, denn mich verzehrt die Sehnsuchtnach dir!" Sie antwortete: „Warte, Ghanem, bis ich trunken bin und nichts mehrvon mir weiß, dann werde ich es dir erlauben."
Mit diesen Worten stand sie auf, in ihren Blicken war auch ein Schmachten derLiebe sichtbar. Ghanem entbrannte nur um so heftiger in Sehnsucht nach ihr. Ersprach: „Herrin, gestatte mir, was ich von dir gefordert." Sie aber antwortete:„Ich darf nicht; denn um meinen Gürtel ist ein hartes Wort geschrieben, und ich gehöredem Beherrscher der Gläubigen." GhanemS Herz brach, sein Schmerz war groß,als er seinen Wunsch unbefriedigt sah, und er sprach folgende Verse:
»Ich bat die, die mich liebeskrank gemacht, um eine» Kuß, um zu genese»;sic aber antwortete: Nein, nein, niemals! Ich sagte zu ihr: Ich bitte dich,laß cs gern geschehen. Sie aber antwortete: Nur mit Gewalt. Ich erwiderteihr: Nicht mit Gewalt, sondern mit deiner Einwilligung. Endlich sagte sie:
Thue es heimlich. Ich antwortete: Nein, es muß mit deinem Wissen geschehen.
Der Reiz des Kusses besteht darin, daß die Geliebte ihn erwidert; küsse michdaher mit der Inbrunst deiner Seele und mache mich dadurch für immer zudeinem Sklaven."
Da bemerkte die Sultanin Schehersad de» Tag und schloß die Erzählung, umdie folgende Nacht fortzufahren:
st/