Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
298
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298 Dreihundert und einunduierzigste Rächt.

betäubt leise athmete; sie war sehr schön und reizend, hatte einen reichen Schmuck, derdas Reich eines Sultans werth war, und den man gar nicht mit Geld schätzen konnte.GHanein merkte wohl, daß man sich gegen sic verschworen und ihr einen

Schlaftrank gegeben hatte. Er suchte ihr zu helfen, indem er sie aus der Kiste

herauszog und auf den Nucken in's Freie legte. Als sie frische Luft schöpfte und

ihr der Wind in die Nase blies, fing sie an zu nießen und tief Athen, zu holen. Mit

einem Male fiel ihr ein Stück kretensisches Bends aus dem Halse, so groß, daß,

wenn ein Elephant daran gerochen hätte, er auch von einer Nacht zur andern hätteschlafen müssen. Sie öffnete hieraus ihre Augen, warf ihre Blicke umher und sagtemit klarer Stimme:Wehe dir, Wind! der den Durstigen labt, o Rose des Gesättigten,

Blume des Gartens!" (lauter Namen ihrer Sklavinnen.) Niemand antwortete; sie riefweiter:O Morgenröthe! Perlenbaum! Licht der Leitung! Morgenstern! Wehe dir,

Lust! Freude! Süßigkeit! Anmuth! sprecht doch!" Niemand aber antwortete; sie warfdann ihre Blicke umher und sagte:Wehe mir! durch schändlichen Verrath begrabt ihr

mich zwischen den Gräbern bis zum Auferstehungstag; wer hat mich aus meinen

Gemächern auf diesen Leichenacker gebracht?" GHanein stand ihr zur Seite, währendsie so sprach; endlich sagte er ihr:O meine Gebieterin! laß die Gemächer, Schlösser

und Gräber! hier steht dein durch Liebe verzauberter Sklave Ghanem, Sohn Jjubs,den der, der alle Geheimnisse kennt, zu dir geschickt hat, um dich aus dieser Noth zuretten, und durch den alle deine Wünsche in Erfüllung kommen mögen!" Sie gab ihmkeine Antwort, sah endlich ihre Lage ein und sagte:Es gibt keinen Gott, außer

Gott, und Mohamed ist sein Prophet." Sie wandte sich dann zu Ghanem, bedeckteihr Gesicht mit beiden Händen und fragte mit süßer Stimme:O gesegneter Jüngling!wie bin ich hierher gekommen? ich bin eben erst erwacht." Er antwortete:MeineGebieterin! drei Sklaven haben dich in dieser Kiste hierher gebracht," und er erzählteihr Alles, was vorgefallen und wie er die Nacht hier zugebracht und sie vom Todegerettet habe. Er verlangte ihre Geschichte zu wissen, sie aber sprach:Gelobt seh Gott,der mich in die Hand eines Mannes, wie du bist, gegeben hat! Steh' jetzt auf, lege

mich in die Kiste, bringe mich auf die Straße und miethe den ersten Esel oderMauleseltrciber, daß er die Kiste in dein Haus bringe; wenn wir dort angekommen,sollst du meine Geschichte hören, und cs wird dir um meinetwillen gut gehen. Er freutesich, ging zum Grabmal hinaus, und schon leuchtete der Tag recht hell. Die Leutegingen schon aus und ein. Er miethete einen Mann mit einem Maulesel, brachte ihnan'ö Grabmal, lud ihm die Kiste auf, in die er das Mädchen gcthan, das er schon