288 Dreihundert und sechsunddreißigjle Macht. !
und Anstand gewonnen. Wenn Gott einen Menschen segnen will, so vermehrt er zuerst ^seinen Verstand, dann erst seine weltlichen Güter."
Während sie so sprachen, kam Chalif mit Mundschenken zurück, die goldene Gürteltrugen, die wie Monde glänzten. Sie breiteten ein scharlachrothes Tuch aus und stelltenchinesische Gefäße, hohe Flaschen, krystallcne Becher, Schläuche und Kannen von allen >Farben auf; sie füllten sie mit klarem alten Wein, der wie feinster Moschus duftete,!nach den Worten des Dichters: ^
»Gib mir und meinen Gefährten zu trinken von dem köstlichen alten Weine,der Tochter der Reben, die einen goldenen Becher als zierendes Gewand hat.
Ihr Schmuck besteht aus den allerfcinstcn Perlen, und so ausgcstattct hat mansie mit Recht die Braut genannt."
Um diese Weingläser waren viel Wohlgerüche verbreitet und die schmackvollstenSüßigkeiten lagen dabei. Als der Chalif dies sah, rief er Chalif in seine Nähe, freutesich mit ihm und erhob ihn; Chalif aber wünschte dem Chalifen langes, ruhmvolles Leben.Dann fragte er: „Erlaubt mir der Fürst der Gläubigen, daß ich eine Sängerin und
Lautenspielcrin bringe, dergleichen noch - nie gehört worden?" Der Beherrscher derGläubigen erwiderte: „Thue nach Gefallen." Chalif küßte die Erde vor dem Fürsten!der Gläubigen, stand auf, ging in ein Gemach und brachte Kut Alkul ub herbei; sic!näherte sich, tief verschleiert und mit reichem Schmucke behängen, und küßte die Erde vordem Fürsten der Gläubigen. Dann setzte sie sich, stimmte die Laute und spielte so, daßalle Anwesende vor Entzücken außer sich waren; zuletzt sang sie folgende Verse:
»Laß uns sehen, ob unsre Liebcszcit wiedcrkehrt, ob du noch nach der Nähedeiner verlornen Freundin dich sehnst. Lange Zeit verstrich in der Süßigkeit derVereinigung; wir waren sorgenlos, während das böse Geschick schlief. Was istnun das Leben nach der Trennung? Wie süß waren die Nächte der Vereinigungin meinem Hause! O mein Geliebter! näherst du dich mir, so finden wir »nswieder; wo nicht, so ist mein Leben verloren."
Der Chalif konnte es nicht mehr aushalten, zerriß sein Kleid und fiel ohnmächtignieder. Die Leute alle zogen ihre Kleider aus und warfen sie auf den Fürsten derGläubigen. Kut Alkulub winkte Chalif und sagte ihm: „Geh nach jener Kisteund bringe mir, was darin ist!" Sie hatte nämlich schon für diesen Fall eins von desChalifen Kleidern vorbereitet. Chalif brachte es und warf es auf den Fürsten derGläubige». Als dieser wieder zu sich kam und sich überzeugte, daß es Kut Alkulub! war, sagte er: „Ist heute Auferstehungstag, daß Gott die Tobten aus den Gräbern