Dreihundert und rinundzwanzigsto Nacht.
Wußte ich doch, ob dir meine Thränen nicht verborgen geblieben? Unaufhörlichfließe» Thränen auf meine Wangen im Grame nieder, ob ich jemals deineEinwilligung erhalten werde. Alsdann wünsche ich, daß der Schlaf meine Augenzudrückc, weil ich hoffe, dich im Traume zu sehen. Gott vermehre deine Freudeund deinen Glanz; mußte auch die ganze Welt dein Lösegcld werden. DieHerde der Liebenden sind unter meinem Panier, die der Schönheit unter demdeinigen."
Er weinte, und sprach noch folgende Verse:
„O Badiald Jamal! du bist mein Leben und das Gcheimniß, dasmein Herz bewahrt! Wenn ich den Mund öffne, so spreche ich nur von dir, undwenn ich schweige, so bist du mein Gedanke. Ich will von der Welt nur deineNähe und Einwilligung; bei Gott, nichts Anderes kommt mir in den Sinn! Inmeinem Herzen ist ein Feuer, dessen Flamme immer zunimmt; ich suche meinenZustand zu verbergen, und mein Gram wächst immer. Ich sehne mich nach dir,und noch habe ich dein Antlitz nicht gesehen; ich Wunsche unsre Vereinigung,und noch bin ich dir verborgen. Wirst du nicht bemitleiden den, dessen Körper dieLiebe so abgezehrt, der ganz entstellt worden mit krankem Herzen? O, werdezärtlich, mild und freigebig! nichts kann dich mir ersetzen, ich aber werde stetsdeiner gedenken!"
„O meine Gebieterin! O Badiald Jamal! O du vollkommene Schönheit!erbarme dich doch deines Sklaven, der schon so viel um dich geweint, der Vater undMutter verlassen hat, der immer wacht und den der Schlaf flieht, habe Mitleid mitdem, der die Nächte schlaflos und den Tag in Verwirrung zubringt!" Zuletzt sprach ernoch im heftigsten Schmerze folgende Verse:
„Bei Gott! die Sonne geht für mich weder auf, noch unter, weil meinHerz und mein Sinn mit Badiald Jamal beschäftigt sind. Das Echo allermeiner Gedanken und Worte bist du. Wenn ich im Durste Wasser trinke, sosehe ich immer dein Bild im Becher!"
Seif Almuluk lief dann lange im Garten umher, und ließ sich endlich beieinem Wasserrade unter einem Baume nieder und schlief. Badiald Jamal aberhatte sich mit Dawlet Chatun unterhalten, Seif Almuluk gesehen, und seineJugend, Schönheit, Anmuth, Wuchs und Ebenmaß bewundert; schon wie sie ihn hörte,fing sie an ihn zu lieben, wie der Dichter sagt:
,Sehr oft licbcn die Ohren vor den Augen."
Schehersad bemerkte den Tag und erzählte die folgende Nacht weiter: