Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
119
Einzelbild herunterladen
 

Zweihundert und sechsundsiebenzigste Uucht. ^^0

Nach Verlauf einiger Zeit, während welcher er stets auf's gastfreundlichste gegenmich handelte und mich nicht ziehen lassen wollte, nahte er sich eines Tags mir mit denWorten:Ich will dir einen Vorschlag machen, willst du ihn annehmen?" Laß hören,war meine Antwort.Wisse," fahr er fort,ich bin ein alter Mann, habe keinenSohn, wohl aber eine junge liebenswürdige Tochter von schönem Gesichte und bübschemWüchse. Ich wünsche, daß du sie hcirathest, bei mir bleibest und mein Sohn werdest;ich übergebe dir mein ganzes Vermögen." Ich schwieg; denn so viel Güte beschämte mich.Er aber fuhr fort:Thue, wie du willst, ich werde für dich sorgen, anch wenn dumeine Tochter nicht heirathest, und dich zu einer Rückreise in dein Vaterland ausstatten.Unser Land," fügte er hinzu,ist die Grenze des bewohnten Landes, hinter uns beginntder vierte Welttheil, der unbewohnt ist." Auf alles dies konnte ich bloß erwidern:Thue, Herr! mit deinem Knechte, wie du willst." Er ließ hierauf den Kadhi und

Zeugen rufen und verhcirathete mich mit seiner Tochter, indem er ein großes Fest

veranstaltete und mich ihr zuführte. Ich fand sie, wie er gesagt hatte, wunderschön,liebenswürdig und schlank gewachsen wie eine Gazelle. Sie hatte einen reichen Schmuckan Ketten, Juwelen und goldenen Ringen; die waren wohl tausend Dinar werth.Den Werth ihrer Kleider aber konnte Niemand schätzen. Ich lebte eine Zeitlang mitihr; ihr Vater hatte mich zum Herrn aller seiner Güter gemacht und ich war wie einEingeborner der Stadt. Während ich alle Ursache hatte, mit meinem Schicksale

zufrieden zu seyn, änderte sich mit Einem Male Alles. Ich entdeckte nämlich, wie bei

jedem Neumonde den Leuten Flügel wuchsen und ihre ganze Gestalt sich veränderte unddie der Vögel annahm; sie flogen gen Himmel und nur die Kinder blieben zu Hause.Als nun wieder einmal Neumond war und die Leute ihre Gestalt veränderten, hing ich

mich an einen fest und sagte:Bei Gott, du mußt mich mitnehmen." Er drehte sich

herum und sagte mir:Dies ist unmöglich." Mit vieler Mühe brachte ich es endlich

dahin, daß er mich auf den Rücken nahm, mit mir so hoch in die Luft flog, daß ichhören konnte, wie die Engel Gott preisen. Alles, was ich sagen konnte, war:Gelobtund gepriesen sep Gott!" Aber kaum hatte ich diese Worte gesagt, da fiel ein starkes Feuervom Himmel auf sie, das sie fast verbrannte, sie entflohen sämmtlich und derjenige, dermich trug, warf mich auf den Gipfel eines hohen Berges. Sie waren Alle ganz muthlos,

schalten auf mich, gingen fort und ließen mich allein. Ich bereute, was ich mir selbst

gethan, und sagte:Es gibt keinen Schutz und keine Macht, außer bei Gott, dem

Erhabenen! So oft mir Gott gnädig ist und mich aus einer schlimmen Lage befreit,stürze ich mich in eine andere; ich machte mir Vorwürfe, etwas unternommen zu haben,