104 Zweihundert und einundstcbrnzigstc Aacht.
eines steilen Berges getrieben, wo es strandete und borst, jedoch so, daß wir uns, unsereLebensmittel und die kostbarsten Waaren retten konnten.
Als dies geschehen war, sagte der Capitän zu uns: „Gott hat uns gerichtet! Laßtuns unser Grab graben und uns ewiges Lebewohl sagen; denn der Ort, an dem wiruns befinden, ist so schrecklich, daß keiner von denen, die vor uns hierher verschlagenwurden, sich jemals gerettet hat." Diese Worte betrübten uns unendlich; mit Thränenin den Augen umarmte Einer den Andern und beweinte sein entsetzliches Schicksal.
Der Berg, an dessen Fuß wir waren, bildete die Meeresküste einer sehr langenund breiten Insel. Dieselbe war ganz mit Schiffötrümmern und einer Unzahl vonKnochen bedeckt, auf die man mit jedem Schritte stieß und die uns schaudern machten;denn es mußten hier schon sehr viele Menschen umgekommcn seyn. Ihr würdet es mirnicht glauben, wenn ich euch von den Ungeheuern Reichthümern in Waaren und Edelsteinenerzählen würde, die hier aufgchäuft waren und deren Anblick noch die Trostlosigkeitvermehren mußte, in der wir uns befanden. Statt daß überall sonst die Bäche sich indas Meer ergießen, floß uns hier vom Meere her ein Bächlein süßes Wasser entgegenund drang nicht weit vom Ufer in eine dunkle Höhle, deren Oeffnung hoch und breitwar. Das Merkwürdigste davon ist, daß die Steine des Berges lauter Krystalle,Rubinen oder sonst kostbar waren. Man findet auch auf derselben eine Artflüssiges Pech oder Harz, das im Augenblick, wo es in's Meer fällt, von den Fischenverschlungen und gleich darauf wieder von denselben ausgespieen wird. Die Wellenwerfen es dann auf das Sandufer, das ganz davon bedeckt ist. Auf der Insel wachsenauch Aloebäume, die an Schönheit denen der Insel Cvmari nichts nachgeben.
Um die Beschreibung des Ortes, den man eben so gut einen Schlund nennen könnte,weil niemals das Mindeste sich daraus rettet, zu vollenden, habe ich noch hinzuzufügen,daß kein Schiff, das ihm jemals bis auf eine gewisse Entfernung nahe gekommen ist,sich wieder davon entfernen kann. Werden die Fahrzeuge durch einen Windstoß andiese Küste geworfen, so vernichten sie Wind und Strömung; befinden sie sich in derNähe, wenn der Landwind bläst, der ihre Entfernung begünstigen könnte, so hält ihnder hohe Berg auf und verursacht eine Windstille, die der starken Strömung keinenWiderstand leistet. Dieselbe wirft sie dann gegen die Küste, wo sie, wie das unsrigc,zerschmettert werden. Um das Unglück zu vollenden, ist es unmöglich, den Gipfel desBerges zu ersteigen oder sonstwie zu entkommen.
Wir blieben aus dem Ufer wie Leute liegen, die den Verstand verloren haben, undwaren jeden Tag des Todes gewärtig. Bei unserer Ankunft hatten wir schon die