Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
96
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06 Zweihundert und neunuudsechzigste Nacht

gekommen waren, während wir alle unsere Kräfte anstrengten, um uns zu entfernenund dem auszuweichen, was uns drohte.

Der Vogel kam bald mit seinem Weibchen zurück und wir bemerkten, daß jederzwischen seinen Krallen ein Felsenstück von ungeheurer Größe hielt. Als sie gerade überunserm Schiffe waren, hielten sie sich einige Augenblicke in gleicher Entfernung über unsin der Luft. Der eine Vogel ließ hierauf das Felsenstück, das er hielt, über unsherabfallen; der Steuermann konnte jedoch noch schnell genug dem Schiffe eine andereWendung geben, wodurch cs in's Meer fiel und dasselbe bis auf den Grund aufwühlte.Der andere ließ zu unserm Unglück die Felsenmasse so mitten auf unser Schifffallen, daß es zerschmettert ward und in tausend Stücke barst. Die Matrosen undReisenden wurden entweder vom Schlage getroffen oder ertranken; ich selbst kam unterWasser, glücklicherweise jedoch wieder auf die Oberfläche und konnte mich aneinem Stücke der Schiffstrümmer halten. Indem ich mich so abwechselnd mit der Handhielt, ohne das Stück Holz, auf dem ich mich befand, fahren zu lassen, wurde ich endlichmit günstigem Winde und guter Strömung gegen eine Insel getrieben, deren Ufer sehrsteil waren. Ich überwand jedoch diese Schwierigkeit und rettete mich an's Land.

Ich setzte mich auf's Gras nieder, um ein wenig auSzuruhen; trübe Gedankenstiegen wieder in mir auf, als ich mich abermals in eine bedenkliche Lage versetzt sah.Ich sagte zu mir: Wärest du zu Hause bei den lieben Dcinigen im Glücke und derFreude geblieben, statt als Abenteurer abermals dein Glück zu versuchen! Da mir derAllmächtige schon so oft sichtbar beigestanden war, so faßte ich wieder Muth, stand aufund ging am Ufer herum, um zu sehen, wo ich mich befand. Es schien mir, daß dieganze Gegend ein Garten sey; überall sah ich Bäume, die einen mit grünen Früchtenbeladen, die andern mit Blüthen, und Bäche von süßem und klarem Wasser, die sichreizend dahin schlängelten. Ich von diesen Früchten, fand sie ausgezeichnet und trankdas Wasser, das gleichfalls gut war.

Als die Nacht kam, legte ich mich auf's Gras an einem ziemlich bequemen Ort;ich konnte jedoch nicht lange schlafe,:, denn mich verfolgte die Angst, allein an einem soverlassenen Orte zu sepn. Ich ging abermals mit dem Vorsatze um, mir das Leben znnehmen; als aber der Tag mit seinem Lichte kam, so war meine Verzweiflung schnellgemildert. Ich stand auf und ging, nicht ohne Furcht, unter den Bäumen herum.

Als ich ein wenig auf der Insel Vordrang, bemerkte ich einen Greis, der mir ganzerschöpft schien und am Ufer eines Bächleins saß. Mein erster Gedanke war, daß ergleich mir Schiffbrnch gelitten haben müsse. Ich näherte mich ihm und grüßte ihn, was