Druckschrift 
2 (1839)
Entstehung
Seite
48
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Zweihundert und ftebenundsiinfzigste Nacht.

ein sehr reicher Kaufmann war, starb, als ich noch ein kleiner Junge war, und hinterließmir ein ungeheures Vermögen an liegenden Gütern, Geld und kostbaren Waarcn. Ichließ mir wohl seyn und verbrachte meine Zeit mit Festen, die ich meinen guten FreundenTag für Tag gab. Unerfahren und leichtsinnig verpraßte ich ungeheure Summen unddachte gar nicht daran, daß es mir je an irgend etwas fehlen könne. Jahre lang hatte ichso gelebt, bis ich zu meinem Schrecken bemerkte, daß mein Vermögen sinke und meine Freundekälter zu werden begannen; nun kam ich freilich zur Vernunft, allein es war zu spät.Als ich mit meinen Verwaltern Rechnung hielt, fand sich, daß beinahe Alles durchgebrachtwar. Ganz betäubt von diesem Schlage warf ich mich zu Bode» und und trankzwei Tage lang nichts, da dachte ich an meine Freunde und ihre täglichen Versicherungen,ihr Leben für mich zu lassen; und ob ich gleich durch ihre Kälte in der letzten Zeitetwas mißtrauisch geworden war, so faßte ich doch den Entschluß, bei ihnen hcrumzugehenund von Jedem ein kleines Anlehcn zu erbitten. Ich führte meinen Vorsatz sogleichaus, allein ohne den geringsten Erfolg, nicht Einer von ihnen wollte mich anhören,vielweniger unterstützen. Die Einen ließen sich vor mir verleugnen, die Andern machtenmir Vorwürfe und die Besten von ihnen begnügten sich mit kaltem Mitleid und leerenRathschlägcn. Mein Verhängniß hatte mich ereilt und ich konnte ihm nicht mehrentfliehen; betrübt und verzweifelnd ging ich auf den Begräbnißplatz und warf michweinend auf das Grab meines Vaters. Da fielen mir die Worte ein, die ich ihn oftvon dem Herrn Suleimann, Friede sey mit ihm! sagen hörte:Drei Dinge sind dreiandern vorzuziehen! Der Sterbetag dem Geburtstag, ein lebendiger Hund einem tobtenLöwen, und ein Grab dem festesten Palaste!" Ich klagte mich dann selbst an über meineVerblendung und bedauerte, so viel Zeit mit Nichtigkeiten verloren zu haben. Dannging ich mit mir zu Nathe, was ich thun sollte, um dem bedauernöwerthcsten Elendeauf Erden, der Armuth im Alter, zu entgehen. Nach einiger Ueberlegung faßte ichden Entschluß, alle mciue Kräfte aufzubieten, um die verlorne Zeit wieder zu ersetzenund das; was ich durch Zufall des Glückes gehabt halte, mir durch eigenes Verdienstzu erwerben. Ich ging nach Hause, und unbekümmert um den Spott der Leute, die sichmeines Verfalls freuten, versteigerte ich auf offenein Markte, was ich an Kleidungsstücken,Geräthschaften und liegenden Gütern noch besaß. Ungefähr 3000 Dirham war derErlös davon, und das war der Rest von den Millionen, die mir mein Vater hinterlaffenhatte. In der Stadt, wo ich so glücklich und angesehen, und nun so arm und verachtetwar, wollte ich nimmer bleiben; mich trieb es, zu reisen, fremde Länder und Menschenzu sehen, und ich gedachte der Verse eines Dichters, welcher sagt: