Zweihundert und stebciiundfiinfzigste Nacht.
meine Familie vor dem Hungcrtvde zu schützen." Der Hausherr, welcher an derBescheidenheit und dem Anstande des Lastträgers Gefallen fand, und von seiner unglücklichenLage gerührt wurde, sagte mit freundlicher Miene zu ihm: „Sey nochmals willkommen,du Lastträger! wisse, auch ich heiße Sindbad wie du, ich bin Sindbad der Seemann,und du Sindbad der Landmann. Ich heiße dich daher als meinen Bruder willkommen.Deine Gesellschaft ist mir sehr angenehm und ich bin überzeugt, daß auch meine Gästedich mit Vergnügen als Genossen unscrs heutigen Festes aufnehmen werden." DieGäste alle erhoben sich und bezeigten dem Lastträger ihre Freude über seine Gegenwart,worauf der Hausherr fortfuhr: „Ich möchte nun, daß du die Verse wiederholtest, welcheich dich vorhin sprechen hörte, da ich zufällig am Fenster stand." Bei diesen Wortensenkte Sindbad, der sich schämte, voll Verlegenheit das Haupt und sagte: „Bei Gott,Herr! nimm mir diese unüberlegten Worte nicht übel! Die große Müdigkeit und dieQual der Armuth führt oft den Menschen zu thörichten und unanständigen Reden!" —„Glaube ja nicht," erwiderte der Hausherr, „daß ich so ungerecht scyn kann, dir darumzu zürnen! Ich betrachte dich nun als meinen Bruder und du hast nur Gutes von mirzu erwarten. Ich bitte dich daher, sage mir ohne Scheu diese Verse noch einmal her."Der Träger trug nun noch einmal diese Verse vor und sie gefielen dem Hausherrnungemein wegen des darin ausgesprochenen Vertrauens auf Gott. Nachdem er ihmseinen Beifall und Dank ausgedrückt hatte, sagte er zu ihm: „Wisse, o Bruder, daß ichmich recht gut in deine Lage versetzen und mit dir dein Unglück fühlen kann; aber ichwill dir einen Jrrthum benehmen, in welchem du, was mich betrifft, befangen zu scynscheinst. Du bildest dir ohne Zweifel ein, daß ich ohne alle Arbeiten und Entbehrungenin die angenehme Lage gekommen, in welcher du mich wirklich siehst, du irrst dich aberhierin sehr; ich bin in diesen glücklichen Zustand erst gekommen, nachdem ich Jahre langalle Mühseligkeiten des Leibes und der Seele erlitten habe, welche einem Menschen nurimmer begegnen können! Ja, ihr Herren," setzte er hinzu, indem er sich an dieGesellschaft wendete, „die Mühseligkeiten und Gefahren, welchen ein Kaufmann sichunterwerfen muß, sind so ungeheuer, daß sic im Stande wären, dem habsüchtigstenMenschen die Lust zu benehmen, Meere und Länder zu durchziehen, um Reichthümer zuerwerben. Ihr habt vielleicht noch nichts als Gerüchte von meinen Reisen und denbestandenen Abenteuern gehört! Darum will ich sie euch selbst erzählen. Ich habe siebenReisen gemacht, und jede bildet eine wunderbare Erzählung, die mit Gold geschriebenwerden sollte, um Jedermann zum Beispiel zu dienen!" Hierauf ließ er Getränke herumreichen und begann dann folgendermaßen: „Wisset, ihr geehrten Herren! mein Vater, der