Zwciliuiidcrt und einuiidfünfzigste Aacht. j Z
Baum und breit wie eine Matraze. Zu seiner Seite brannte ein Licht und lag einSchwert, das wie eine Feuerflamme funkelte; nebenan aber stand ein Tischchen voll Speisenund Getränken, was dem erschöpften Prinzen ein sehr angenehmer Anblick war. DerSklave mit dem großen Schwerte hätte wohl jeden Andern erschreckt; auch zauderte derPrinz einige Augenblicke, ob er bleiben oder zurückgehcn solle, bald aber faßte er sichund sprach: „Ich rufe Gott um Hülfe au! Du, o Gott, der du mich so eben vomUntergänge befreit hast, gib mir nun auch die Kraft, mein Abenteuer glücklich zu Endezu führen!" Mit diesen Worten streckte er die Hand nach dem Tische aus, ergriff ihnund ging damit auf die Seite, wo er sich sogleich über die herrlichen Speisen, diedarauf waren, hermachte und aß und trank, bis er satt war. Dann ruhte er einwenig aus, trug den Tisch wieder an seinen porigen Platz, nahte sich dann auf denZehen dem Schlafenden und zog ihm das Schwert aus der Scheide. Damit ginger vorwärts, ohne zu wissen, was die Bestimmung über ihn verhängen werde;bald erblickte er wieder ein Licht, das aus einer Thüre schimmerte, welche mit einemdünnen, durchsichtigen Vorhang bedeckt war. Er ging darauf zu, hob leise den Vorhangauf und trat in das Zimmer, wo sich ihm ein eben so überraschender als schöner Anblickdarbot. In der Mitte des herrlich ausgeschmückten Zimmers stand ein Thron ausweißem Elfenbein, mit Perlen, Rubinen und andern Edelsteinen besetzt, und an demFuße desselben lagen vier schlafende Sklavinnen, blühend und schön wie frische Rosen.Vorsichtig näherte er sich dem Throne, um zu sehen, wer auf ihm liege, und fandein schlafendes Mädchen, schön wie der leuchtende Mond. Ihre langen, schwarzenHaare rollten aufgelöst über die blendend weißen Schultern auf die reichen Polster,worauf sie ruhte. Nie, sagte er bei sich selbst, habe ich solche Schönheit und Anmuth,solchen Wuchs und solches Ebenmaß gesehen. In der That leuchtete ihre Stirne Heller fastals der Mond, aus den halb geöffneten purpurnen Lippen blitzten Zähne hervor, so großund zart, wie man keine Perlen in dem ganzen unermeßlichen Meere findet, ihre Nasewar sein gestaltet und ihre Wangen wie Anemonen. Ueber ihrer ganzen Gestalt lag einLiebreiz ausgegossen, daß des Prinzen Herz ganz von Liebe entbrannte und er sich nichtmehr um Gefahr und Tod kümmerte. Er näherte sich ihr zitternd und bebend, und ohnefast zu wissen, was er that, neigte er sich zu ihr und küßte sie aus ihre rechte Wange.Sie erwachte sogleich und öffnete ihre Augen, deren Blicke wie Strahlen eines Sternesauf den Prinzen fielen und ihn gänzlich verwirrten. Nachdem sie ihn einen Augenblickmit stummer Verwunderung, aber nicht ohne Wohlgefallen, betrachtet hatte, denn derPrinz war der schönste Jüngling seiner Zeit, sagte sie zu ihm: „Wer bist du, Jüngling,