894 Zweihundert und »ierunduierzigste Macht
einem Laibchen trocknen Brodes neben ihn hin und ging wieder hinauf. Asaderwachte erst um Mitternacht aus seiner Ohnmacht und weinte so, daß die Thränen ihmüber die Wangen herunterströmten; er dachte an seinen Bruder und an seinen früher»glücklichen Zustand als Prinz.
Als Amdjad indessen den ganzen Tag hindurch bis Mitternacht seinen Brudervergebens erwartet hatte, ward er immer trauriger; sein Herz klopfte und er fürchteteschon, von ihm getrennt zu seyn. Er brachte die Nacht in großen Schmerzen zu, undam folgenden Tage ging er den Berg hinunter, und Thränen strömten über seineWange». Er ging in die Stadt und fragte nach ihrem Namen; man sagte ihm, essep die Stadt der Magier, und die meisten Einwohner beteten das Feuer an. Ererkundigte sich auch, wie weit es von hier nach den Ebenholzinseln sey, und man sagteihm, zu Land brauche man ein Jahr und zu Wasser vier Monate, um dahin zu komme»,und dort regiere Kamr essaman, der Gemahl der Haiat al Nufuö. Als er denNamen seines Vaterlandes und seines Vaters hörte, erwachte sein Schmerz auf's Neue,und er ging traurig in der Stadt umher, um seinen Bruder aufzusuchen.
Indem er nun so die Stadt durchstreifte, kam er zu einem Schneider, den er anseinem Kleide für einen Muselmann erkannte. Er grüßte ihn, setzte sich zu ihmin seinen Laden und theiltc ihm die Geschichte seines Kummers mit. Als er mit
seiner Erzählung zu Ende war sagte ihm der Schneider: „Mein Sohn, wenn deinBruder in die Hand eines Magiers gefallen ist, so wirst du dich darauf gefaßt machen,ihn nie mehr wiederzusehen. Er ist ohne Rettung verloren, und ich rathe dir, dichdarüber zu trösten und dich selbst vor einem gleichen Unglück zu hüten. Deßhalb, wenndu mir folgen willst, so bleibe bei mir und ich werde dich von allen Ränken dieserMagier unterrichten, so daß du dich vor ihnen hüten kannst, wenn du auögehst."
Amdjad, tief betrübt über den Verlust seines Bruders Asad, nahm dasAnerbieten an und dankte dem Schneider tausendmal für seine Güte. Er blieb dannetwa einen Monat bei demselben, der ihn wegen seines Bruders tröstete, ihm Geduldeinflößte und ihn das Schneiderhandwerk lernte.
Eines Tages ging Amdjad nach dem Meere hin und wusch seine Kleider, er
badete sich auch, zog reine Kleider an und nahm wieder den Weg nach dem Ladendes Schneiders; da begegnete ihm eine schöne anmuthige Frau; als sie ihn sah, hob sie
den Schleier ein wenig in die Höhe und sagte: „Wohin gehst du, Herr?" und lächelte
dabei so reizend, daß er seinen Verstand verlor. Er sagte: „Schöne Frau! ich gehenach Hause oder zu dir, wie du cS wünschest." Sie antwortete: „Gott strafe die Weiber!