88Ü Lwrihundert und ci»uudvierzigstc "Nacht.
wollte, die Geschichte von uns Beiden anzuhörcn, so hoffe ich, Ihr werdet mich nicht darumverdammen, daß ich Euch durch eine so verzeihliche List hintergangcn habe." Der KönigArmanus gewährte ihr die Bitte, und hörte ihrer Erzählung mit dem größtenErstaunen von Anfang bis zu Ende zu.
„Herr," setzte die Prinzessin am Schluffe hinzu, „obgleich in unsrer Religion dieFrauen sich der Freiheit der Männer, mehrere Frauen zu nehmen, nur höchst ungernunterwerfen, so will ich dessen ungeachtet, wenn Eure Majestät in die Heirath derPrinzessin Haiat al Nufus, Eurer Tochter, mit dem Prinzen Kamr essamanwilligen sollte, ihr von Herzen gern den Rang und Stand einer Königin abtrctcn,der ihr von Rechts wegen gebührt, und mich mit dem zweiten Range begnügen. Selbstwenn ihr dieser Vorzug nicht zukäme, so würde ich cs doch nicht unterlassen, ihrdenselben aus freien Stücke» einzuräumen, aus Dankbarkeit, daß sie mein Gehcimnißmit so großem Edelmuth bewahrt hat. Will dies Eure Majestät von ihrer Einwilligungabhängig machen, so habe ich sie schon darauf vorbereitet und bürge dafür, daß sie sehrwohl damit zufrieden seyn wird."
Voll Bewunderung hörte der König Armanus diese Rede der Prinzessin Beduran, und nachdem sic geendet hatte, wandte er sich zum Prinzen Kamr essaman undsprach: „Mein Sohn! wir haben Wohlgefallen an dir: denn du bist König und Sohneines Königs." Er ließ daun sogleich den Heiraths-Contract mit seiner Tochter und Kamressaman schreiben, welcher noch dieselbe Nacht bei ihr zubrachte. Am folgenden Morgenthcilte er unter den Truppen Geschenke aus und leitete alle Negicrungsgcschäftc mitScharfsinn und Unparteilichkeit, so daß der Ruf seiner Gerechtigkeit sich in alle Länderverbreitete. Dann schlief er eine Nacht bei Bedur und eine Nacht bei Haiat al Nufus,und vergaß ganz seinen Vater und seine Mutter. Er bekam zwei Söhne, einen vonBedur und einen von Haiat al Nufus, und nannte den einen Asad (derGlückselige), den andern Amdjad (der Glorreiche). Als sie groß wurden, lernten siePhilosophie, schöne Wissenschaften und Kaligraphic, bis sie das männliche Alter vonzwanzig Jahren erreicht hatten. Sie liebten einander sehr, schliefen in einem Bett,und alle Leute beneideten sie wegen ihrer Schönheit und Eintracht. So oft Kamressaman auf die Jagd ging, setzte er einen seiner Söhne, jeden Tag einen andern,aus den Thron.
Da die beiden Prinzen von ihrer Kindheit an gleich schön und wohlgcbildet waren,io hatten die beiden Königinnen eine unglaubliche Zärtlichkeit für sie, und wenn diePrinzen nach Hause kamen, sah jede der beiden Frauen den ohn der andern mit